DIE ZEIT

Neuer Krieg

Die Chance einer Eingrenzung und Abkühlung der jüngsten Zypernkrise schien Anfang der Woche noch nicht vertan. Am Mittwoch, da die Genfer Konferenz geplatzt ist, war alles wieder in Frage gestellt.

Machtwechsel im Weißen Haus

Gerald Ford hat einen neuen Ton angeschlagen. Der Akzent des mittelwestlichen Mais-und-Bibel-Gürtels ist unüberhörbar. Rechtschaffenheit kennzeichnet Fords Rede, Biedersinn sein Beginnen.

Worte der Woche

"Erst bloß Père Joseph, dann gleichzeitig Père Joseph und Richelieu ohne Ludwig XIII. – Kissinger spielt zu viele Rollen auf einmal; und auch er läuft Gefahr, auf dem unvermeidlichen Realismus in den Zynismus abzugleiten.

Zeitspiegel

Von den hochfliegenden Plänen für den Ausbau der Bundeshauptstadt ist nicht mehr viel übriggeblieben. Zwar wird termingerecht in diesem Herbst das Richtfest für das neue Kanzleramt gefeiert werden, jedoch ist nach wie vor völlig offen, was aus den anderen Projekten wird.

Mit der Bibel für die Befreiung?

Nachträglich betrachtet, so scheint es, glich die Kontroverse zwischen der Genfer Zentrale des Weltkirchenrats (ÖRK) und dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) um das Antirassismus-Programm eher einem Sturm im Wasserglas: künstlich, unnötig, kraftraubend.

Gerald Fords Weg ins Weiße Haus

Als er noch Fraktionsvorsitzender der Republikaner im Repräsentantenhaus war, trat Gerald Ford regelmäßig mit seinem Gegenpart im Senat, Everett Dirksen, in Pressekonferenzen vor die Öffentlichkeit.

Nixons letzte Krise

Liebe Mitbürger, unser langer, nationaler Alptraum ist vorüber!" Diese Worte des neuen Präsidenten waren Balsam auf die Wunden der Nation.

Volksfeind Nummer eins: die Inflation

In seiner programmatischen Rede vor dem Kongreß ließ der neue Präsident der Vereinigten Staaten keinen Zweifel daran, wo das Schwergewicht seiner Innenpolitik liegen wird: Gerald Ford erklärte die Inflation zum "Feind Nummer eins", den es mit allen Mitteln zu bekämpfen gelte.

Anklage gegen das Staatsoberhaupt

Dank Richard Nixon ist das Wort in sämtliche Weltsprachen eingegangen: Impeachment. Der Begriff entstammt dem mittelalterlichen Verfassungsrecht Englands.

Warum Watergate?

Der Vorhang fiel, doch manche Fragen blieben offen. Eine der wichtigsten: Warum in aller Welt hat Nixons Mannschaft am 17. Juni 1972 jenen "drittklassigen Einbruch" im Wahlhauptquartier der Demokraten inszeniert, der den Auftakt zum Watergate-Drama bildete? Letzte Woche zeichneten sich die Umrisse einer Antwort ab.

Muß Richard Nixon ins Kittchen?

Die Demonstrantengruppe, die Richard Nixons Abschied vom Weißen Haus mit Plakaten: "Jail to the Chief – Nixon ins Kittchen! – begleitete, sprach nur für knapp die Hälfte der amerikanischen Öffentlichkeit.

Keine Eile

Die Drohung der DDR, es werde Folgen haben, wenn ihr die Bundesregierung nicht weiterhin jährlich an die 700 Millionen Mark zinslosen Kredit gewähre, ist eine ausgemachte Dreistigkeit.

Kleine Union

Den Wahlsieg garantieren 25 000 Pennäler noch nicht. Aber den Christdemokraten bedeuten sie ein Erfolgserlebnis. Die ihnen nahestehende Schüler-Union hat jetzt nach eigenen Angaben diese Mitgliederzahl erreicht.

Unnütze Drohung

Der Streit um die Radikalen im öffentlichen Dienst nimmt kein Ende. Inzwischen ist er freilich so sehr zur bloßen Kabbalistik gediehen, daß die Beteiligten auf öffentliches Interesse kaum mehr zählen können.

Ein verführter Verführer

Er glaubte an Hitler, und Millionen von Pimpfen und Mädels glaubten ihm: Baldur von Schirach, dem verführten Verführer. Der Diktator hatte sich eine Jugend gewünscht, "vor der sich die Welt erschrecken wird – eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend".

Wolf gang Ebert: Problematisch

Im Rahmen einer schlichten Feierstunde wurde in Bonn und nicht in Berlin, wie zunächst vorgesehen – der "Kunstpreis 74" der ‚Problema‘ durch ihren Vorsitzenden, E.

"Gesunde Lebenslust"

Die CSU ist gegenwärtig dabei, einen neuen deutschen Rekord aufzustellen: Sie läßt sich ihr viertes Grundsatzprogramm seit 1946 verpassen.

Von Wärtern erschlagen?

In Mannheim bahnt sich eine "Klingelpütz-Affäre" an – Justizminister Bender tritt die Flucht in die Öffentlichkeit an – die Mordkommission ermittelt

Wenn Steine nicht mehr reden

Ohne Baugerüst werden die Ulmer Bürger und die Besucher der Stadt das Münster in diesem Jahrhundert wohl kaum mehr sehen. Das gilt selbst für das 700jährige Jubiläum der Grundsteinlegung im Juni 1977.

Rogers gab Nixon das Stichwort

Zum Amtsenthebungsverfahren gegen Richard Nixon hatte Raoul Berger von der Universität Harvard im vergangenen Jahr dem amerikanischen Kongreß den Weg gewiesen – mit seinem grundlegenden Werk "Impeachment: The Constitutional Problems (Harvard University Press, 1973; vgl.

Die Generäle planten falsch

Es gibt wissenschaftliche Werke, deren Bedeutung nicht eigentlich in dem liegt, was sie an Forschungsergebnissen enthalten, sondern darin, daß sie in konzentrierter Form die Summe eines größeren Forschungsfeldes aus einem Sprachraum in den anderen vermitteln.

Auskunft über das Bremer Modell

Hochschullehrer, Planer und ein Student der Universität Bremen geben Auskunft über Entstehung und bisherige Ausführung des "Bremer Modells" einer konsequent veränderten Juristenausbildung.

Neue Linke – weiß und schwarz

Von der Neuen Linken Amerikas sind in den sechziger Jahren Impulse ausgegangen, die Studentenrevolten und Jugendbewegungen weltweit Auftrieb gegeben haben.

Guinea-Bissau unabhängig

Als erste der vier portugiesischen Besitzungen in Afrika erlangt Guinea-Bissau die Unabhängigkeit. Der Weltsicherheitsrat empfahl der UN-Vollversammlung am Montag einstimmig die Aufnahme der bisherigen Überseeprovinz Portugals als 138.

NACHRICHTEN DER WOCHE

Acht sowjetische Bergsteigerinnen sind knapp unterhalb des Gipfels des 7134 Meter hohen Pik Lenin im Pamirgebirge in einem Schneesturm erfroren.

Ford: "Taten, nicht Worte"

Der neue US-Präsiden: Ford hat dem Kongreß am Montagabend in seiner ersten Rede nach der Amtsübernahme "Kommunikation, Versöhnung, Kompromiß und Zusammenarbeit" zugesagt.

Wieder Krieg um Zypern

Am Mittwochmorgen brach der Krieg auf Zypern wieder aus. Kurz nachdem die zweite Runde der Genfer Zypern-Konferenz geplatzt war, bombardierten türkische Flugzeuge den Rundfunk und andere Ziele im griechischen Viertel der Hauptstadt Nikosia.

Die Kultur-Boutique der Presse

Um diesen Essay über das Feuilleton "feuilletonistisch" zu beginnen: Ich versetze mich zurück in die Zeit der "Trümmerjahre"; internationale Studentenbühnenwoche in Erlangen; ich war einer der jüngeren Kriegsheimkehrer, aber diesen im äußeren und geistigen Habitus einigermaßen entsprechend; man trug Klamotten, wie sie die jeunesse protestee unserer Zeit oft nur mit Mühe in den Revolutionsboutiquen zu beziehen vermag; im Brotbeutel die Rotationsdrucke, die uns eine neue geistige Welt eröffneten – etwa Kafka, Brecht, Hemingway, Faulkner, Langgässer.

Zeitmosaik

Im schattigen Yellowstone / gibt es noch wenige Touristen / aus unserem Mütterchen Rußland. / Doch die Zeit läßt sich nicht zurückspulen: / Die von Aeroflot werden uns nach New York bringen ganz so wie im Taxi.

Kino im Sommerschlaf

Wenn man dem "Spiegel" glauben soll, gehen wir herrlichen Zeiten entgegen. Denn nun beginnt sie ja bald wieder, die "Saison" im Kino, und sie verspricht – es stand im "Spiegel" – "so viele sehenswerte Film-Novitäten wie schon seit langem nicht mehr".

Form, Farbe, Fläche

Auf die Umfrage einer Kunstzeitschrift über Kubismus hat der spanische Maler Juan Gris geantwortet, er habe sich diese stilistische Kategorie "keineswegs bewußt, nach reiflicher Überlegung" angeeignet, er habe lediglich "in einem gewissen Geiste" gearbeitet, der ihn "zum Anhänger dieser Richtung stempelte".

Kunstkalender

Baukhage hat es fertiggebracht, unbeachtet zu bleiben und vor sich hin zu arbeiten, einer unter hundert Kölner Malern, bis er sechzig wurde, bis er sein Motiv, sein Thema fand, zufällig, beim Spazierengehen, indem er gewissermaßen über ein Stück Holz stolperte.

Filmtips

"Tote Zeugen singen nicht" von Enzo G. Castellari. Nach dem Muster von Damiano Damianis "Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert" geht es wieder einmal um die Verfilzung von Politik, Geschäft und organisiertem Verbrechen in Italien.

Die neue Schallplatte

"Sie ist", sagte Georg Stefan Troller in einem imaginären Interview mit ihr, "der einzige Mensch in Paris, von dem man nichts weiß.

Abschied vom roten Baron

Unser roter Baron geht", sagen bedauernd nicht nur die Kulturbeflissenen in Rom, sondern die immens vielen italienischen Wissenschaftler, Politiker, Soziologen, Theologen, Architekten, die sich der Leiter des "Goethe-Instituts", Michael Freiherr Marschall von Bieberstein, in den vierzehn Jahren seiner Tätigkeit zu Mitarbeitern gewonnen hat.

Auf der Brücke aus Papier

Mit dem gleichmütigen Blick des bei Alfred Adler ausgebildeten Individual-Psychologen betrachtet der große Manès den kleinen "Munju", der 1905 im hintersten Winkel der Donaumonarchie, in Zablotow, geboren wurde.

Ein Hauch von Idylle

Die Mütter, die sie zeichnet, sehen aus wie liebe, dicke, ein bißchen alt gewordene Schlafpuppen; auf den Gesichtern der jüngeren Männer wohnen der Friede und die Freundlichkeit von (intelligenten) Gartenzwergen; und selbst die älteren Männer und Väter ("Spießer" wäre da wohl das richtige, böse Wort) geratenihr weniger widerlich als bekümmert und hilfsbedürftig.

Kritik in Kürze

"Anfangsschwierigkeiten einer Kur", Erzählung von Rudolf Bayr. Ein Konsumenten-Zauberberg im Zeitalter der allgemeinen Sozialversicherung: der Privatpatient hat seine Schwierigkeiten mit Amtsarzt, Gutachten, Warteliste, Einweisung, mit dem Vokabular der Verwaltungsbürokratie, mit dem er prüfend spielt – in Abwehr, Selbstgewißheit, Kristallisation persönlicher Erinnerungen.

Flucht ins Poetische

Der Mexikaner Carlos Fuentes – Jahrgang 1928 – ist einer der bekanntesten, international erfolgreichsten Romanciers Lateinamerikas.

Von ZEIT-Mitarbeitern

Jutta Kamke: "Schule der Gewaltlosigkeit – Das Modell Palo Alto". Jutta Kamke, 1948 in Berlin geboren, stellt nach fast zehnjähriger theoretischer Beschäftigung mit der Idee des Pazifismus einen amerikanischen Modellversuch vor, in dem die Praxis der "Gewaltlosigkeit" (Nonviolence) seit Jahren gelebt wird.

KP anders

Der Film war gut, der Titel irreführend. Wie die Italiener mit den Kommunisten leben, welch Ansehen die Roten in der römischen Gesellschaft genießen, ob die Loyalitätsbekundungen der KPI für bare Münze genommen werden, wieweit überhaupt antikommunistische Affekte die politischen Entscheidungen der Wähler und der anderen Parteien bestimmen – darüber erfuhr der Zuschauer nichts.

Laden zu?

Zwei Diskussionsleiter, neun Diskussionsteilnehmer, etwa ebensoviel Gefragte aus dem Publikum – das gibt mindestens zwanzig Menschen, die aufgerufen waren, in einer Dreiviertelstunde möglichst Wesentliches über den seit 1956 gesetzlich vorgeschriebenen Ladenschluß mitzuteilen.

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