Den Wahlsieg garantieren 25 000 Pennäler noch nicht. Aber den Christdemokraten bedeuten sie ein Erfolgserlebnis. Die ihnen nahestehende Schüler-Union hat jetzt nach eigenen Angaben diese Mitgliederzahl erreicht. Am vergangenen Wochenende hat sich die neue Union in der Union zum ersten Male der Öffentlichkeit präsentiert; im Dezember will sie einen "Bundes-Schülerkongreß" veranstalten. Die CDU/CSU beginnt, in den Schulen Fuß zu fassen.

Offenkundig kommt ihr zupaß, daß es auf den Lehranstalten nicht länger als schick gilt, links zu sein. Die 50 000 Jungsozialisten unter den Schülern geraten ins Hintertreffen. Der Umschwung kommt nicht von ungefähr. Wenn die Schüler-Union an Boden gewinnt, dann nicht nur wegen einer konservativen Grundströmung, sondern auch wegen des wachsenden Widerspruchs zwischen schönem Wahn und schnöder Wirklichkeit in der Bildungsreform. Große Theorien und Zukunftsmodelle sind nicht mehr im Schwange.

So verschwommen die Ziele der Schüler-Union auch noch sein mögen, so erheischt sie doch Antwort auf ganz praktische Fragen, etwa darauf, wie es sich mit den Bildungs- und Berufsaussichten verhält, mit dem Wert des Abiturs und den Studienmöglichkeiten – Fragen, die auch die Union nicht so leicht wird beantworten können. So sehr ihr die Schülergarde als Zeichen einer Tendenzwende bei der heranwachsenden Generation willkommen sein mag – sie wird mit ihr ebensowenig ein bequemes Spiel haben wie die SPD mit ihrem Nachwuchs. C.-C. Kaiser