Von Klaus-Peter Schmid

Frankreichs neuer Premierminister Jacques Chirac startete zu seiner ersten offiziellen Auslandsreise nach Kopenhagen – und brachte gleich einen dicken Fisch mit nach Hause. Nach langem Zögern scheinen nämlich Dänemark, Norwegen, Belgien und Holland entschlossen, beim französischen Flugzeugbauer Dassault-Breguet in den nächsten Jahren bis zu 600 Mirage-Düsenjäger zu bestellen.

Anfang letzter Woche erklärte Jörgen Andersen, Kommandant der dänischen Luftwaffe, nach eingehender Prüfung der Mirage F-1 hätten seine Experten "nichts gefunden, was an dem Flugzeug auszusetzen wäre". Damit steht für die Franzosen so gut wie fest, daß sie den Zuschlag bekommen, auch wenn die offizielle Entscheidung erst am 1. Oktober fällt. Spezialisten sprechen bereits vom "Waffengeschäft des Jahrhunderts". Und Politiker tuscheln hinter vorgehaltener Hand: Mit solchen Aufträgen könnte Paris zurück in die Nato gelockt werden.

Der finanzielle Einsatz ist gewaltig. Bis zu 16 Milliarden Franc stehen auf dem Spiel. Um diese Riesensumme kämpften auch die Amerikaner, die ihre Cobra (von Northrop) verkaufen möchten; und die Schweden mit ihrem Viggen-Jäger (von Saab). Die Gruppe Dassault-Breguet hat bei diesem Wettstreit noch ein zweites Eisen im Feuer: die zweistrahlige Jaguar, die gemeinsam mit der British Aircraft Corporation (BAC) entwickelt wurde.

Von der Mirage F-1 wurden bisher fast 200 Exemplare verkauft. Sie fliegt in Frankreich ebenso wie in Südamerika und Kuwait. Doch die den vier Nato-Partnern angebotene Variante mit dem Triebwerk M-53 von SNECMA, die zweieinhalbfache Schallgeschwindigkeit erreicht, wird ihre ersten Flüge nicht vor Jahresende absolvieren. Zur Verwunderung der umworbenen Auslandskunden hat Frankreichs Luftwaffe bisher noch kein Exemplar des schnellen Vogels bestellt. Doch das dürfte sich bald ändern. Um peinlichen Fragen nach den Gründen vorzubeugen, will Paris für seine Luftwaffe etwa 30 Mirages der neuen Variante einkaufen, obwohl kein echter Bedarf besteht.

"Hat die französische Luftwaffe nebenbei auch die Aufgabe, den Export zu fördern?", fragte verwundert Le Monde. Die Antwort ist klar: Frankreichs Flugzeugindustrie ist nur lebensfähig, wenn sie Kunden im Ausland findet. Daß dies im Bereich der zivilen Luftfahrt illusorisch ist, haben die Mißerfolge und Schwierigkeiten von Concorde, Mercure und Airbus zur Genüge gezeigt.

So bleibt (von einigen Kleinflugzeugen abgesehen) nur der militärische Bereich. Nüchtern stellte das Magazin L’Expansion fest: "Finanziell und technisch ist und bleibt dies die Grundlage für jede Entwicklung im Flugzeugbau". Mit anderen Worten: Nur wenn Mirage-Jäger im Ausland gefragt sind, kann Frankreich eine Concorde oder Mercure verkraften.