Die dramatischste Woche der amerikanischen Innenpolitik begann mit dem Eingeständnis Präsident Nixons, an der Vertuschung des Watergate-Skandals beteiligt gewesen zu sein, und endete mit seinem Rücktritt. Am Montag vergangener Woche hatte Richard Nixon im Gegensatz zu allen vorherigen Beteuerungen zugeben müssen, daß er schon sechs Tage nach dem Einbruch davon erfahren und daran mitgewirkt habe, die Auftraggeber vor der Strafverfolgung abzuschirmen; am Freitagvormittag wurde Gerald Ford als 38. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt.

Nixon war der erste Präsident, der von seinem Amt zurückgetreten ist. Zugleich gelangte mit Ford zum erstenmal ein nicht vom Volk gewählter Vizepräsident in das höchste Amt. Ford war auf Grund des 25. Verfassungszusatzes aus dem Jahre 1965 von Nixon im Oktober 1973 als Nachfolger Agnews zum Vizepräsidenten nominiert und im Dezember von beiden Häusern des Kongresses bestätigt worden. Noch am Dienstag voriger Woche hatte Nixon in einer Kabinettssondersitzung die Möglichkeit eines Rücktritts von sich gewiesen. Doch im Kongreß schwand zur gleichen Zeit seine Vertrauensbasis. Auch jene zehn republikanischen Abgeordneten im Rechtsausschuß des Repräsentantenhauses, die sich bis dahin gegen ein Impeachment ausgesprochen hatten, kündigten Nixon die Gefolgschaft.

Am Mittwoch machten die Fraktionsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus und Senat, Rhodes und Scott, sowie Senator Goldwater dem Präsidenten klar, daß seine Absetzung sicher sei, da nur noch 15 Senatoren hinter ihm stünden. Goldwater nach dem Gespräch: "Der Präsident hat uns versichert, daß er in jedem Fall eine Entscheidung treffen werde, die im Interesse der Nation liege."

Am Mittwochabend versammelte Nixon seine ganze Familie im Weißen Haus, während einige Zeitungen bereits von "unwiderruflichem Rücktrittsentschluß" sprachen. Außenminister Kissinger blieb bis weit nach Mitternacht bei Nixon.

Am Donnerstagmittag gab John Rhodes den Rücktritt des Präsidenten für den nächsten Tag bekannt. Abends sprach Nixon zu seinen Landsleuten, wobei er persönliche Schuld nicht auf sich nahm, sondern die Demission lediglich mit dem Verlust der Unterstützung seiner Politik im Kongreß begründete. Er beschränkte sich auf das "tiefe Bedauern" allen Schadens, der im Verlauf der Ereignisse angerichtet worden sei.

Ob der Kongreß Nixon vor einer strafrechtlichen Verfolgung wegen Rechtsbeugung und Amtsmißbrauch schützen wird, ist ungewiß. Vor dem Rücktritt wurden darüber keinerlei Abmachungen getroffen. Im Kongreß mehren sich aber die Stimmen gegen Strafmaßnahmen. Senator Scott sagte, er habe mit den führenden Vertretern der Legislative in beiden Häusern gesprochen. "Die meisten empfinden außerordentliches Mitleid. Jeder hofft, daß wir sagen können, genug ist genug."