Es kommt etwas auf die Kraftfahrer zu, das ausnahmsweise einmal erfreulich ist." So Fritz Haberl vom Zentralverband des Kraftfahrzeughandwerks in einer Pressekonferenz des ADAC. Zum hoffnungsvollen Blick in die nahe Zukunft ermutigt ihn eine Konditionsempfehlung, der das Kartellamt seine Sympathie schwerlich versagen wird. Im gelegentlich gespannten Verhältnis zwischen Autofahrer und Autoschlosser bahnen sich neue Regelungen an. Bisher wurden Rechte und Pflichten beider Partner durch die Einheitsbedingungen aus dem Jahr 1943 geregelt und offenbarten sich im Kleingedruckten.

An der Größe des Schriftgrads wird sich nichts ändern, aber am Inhalt. In zweieinhalbjährigen Verhandlungen zwischen ADAC und Kfz-Verband gelang es, Reformen durchzusetzen, die leidgeprüfte Kraftfahrer fröhlich stimmen sollten. Verantwortung und Schadenersatzpflicht der Werkstätten werden erheblich erweitert, die Interessen der Kunden nachdrücklicher gewahrt. Ein ADAC-Sprecher in maßvoller Selbstwürdigung: "Ein wohlausgewogenes Werk!" Tatsächlich sind die Reformen geeignet, Macht und Willkür skrupelloser Garagisten drastisch einzuschränken.

Wird ein Reparaturtermin beispielsweise länger als 24 Stunden überzogen, muß die Werkstatt einen Ersatzwagen zur Verfügung stellen oder 80 Prozent etwa anfallender Mietwagenkosten tragen.

Ferner: Der Kunde kann einen Kostenvoranschlag verlangen, der um höchstens 20 Prozent überschritten werden darf (Dauer der Verbindlichkeit: drei Wochen; Reparaturgarantie: drei Monate). Schließlich hat die Werkstatt Schäden als Folge unsachgemäßen oder fahrlässigen Hantierens zu verantworten – etwa nicht genügend festgezogene Radmuttern. Der Schaden muß kostenlos behoben, notfalls die Abschlepprechnung bezahlt und bei Totalzerstörung das Fahrzeug (zum Zeitwert plus 25 Prozent) ersetzt werden. Bei Personenschäden geht die Haftung bis zu einer halben Million Mark.

Meinungsverschiedenheiten werden von Schiedsstellen als Vermittler zwischen Kunde und Werkstatt geschlichtet. In der Bundesrepublik gibt es zur Zeit 54 solcher Kommissionen. Sie arbeiten als Vorinstanz der Gerichte, sollen teure Prozeßkosten ersparen und sind für den Kraftfahrer kostenlos.

Allerdings warnt Fritz Haberl vor verfrühter Euphorie. Nach wie vor wird kein Werkstattbesitzer gezwungen sein, etwa Kostenvoranschläge zu machen. Der ADAC hingegen verläßt sich, vermutlich zu Recht, auf die Gesetze des freien Wettbewerbs. Künftig werden Autofahrer wohl den Werkstätten den Vorzug geben, die sich die "Bedingungen 74" zu eigen machen. Die Gelegenheit hierzu haben sie jetzt schon. WB