Von Hannes Elster

Verdutzt stellte der amerikanische Automationsforscher John Diebold vor einigen Jahren fest, zwar keine Branche zu kennen, die stärker automatisiert sei als die Druckindustrie – aber auch keine, die sich weniger dieser Tatsache bewußt sei. Damals waren die deutschen Drucker noch unter dem Verbandsnamen "Druckereigewerbe" vereinigt; heute haben sie sich längst zur "Druckindustrie" hochstilisiert, obwohl immer noch rund 8000 Betriebe mit inzwischen 240 000 Beschäftigten sich in einen heiß umkämpften Markt teilen: Großunternehmen wie Burda oder Bertelsmann und handwerkliche Kleinstbetriebe, die von Visitenkarten und Todesanzeigen leben.

Trotz Rezession liegt die Kapazitätsauslastung immer noch bei 80 Prozent (zur Zeit der Hochkonjunktur bei 85 Prozent). Gelegentliche Pleiten wachsen sich für die Entlassenen nicht zu Tragödien aus: Sie werden meist am gleichen Ort von Konkurrenzunternehmen übernommen – auch dies ein Vorteil des überwiegend mittelständisch orientierten Wirtschaftszweiges, in dem die durchschnittliche Betriebsgröße bei 30 Arbeitnehmern liegt.

In einer Studie des Frankfurter Batelle-Institutes über Jobs und Chancen in 34 Industriezweigen wird bis 1990 ein Mehrbedarf an Druckern vorausgesagt, der bei jährlich 1,3 Prozent der vorhandenen Arbeitsplätze liegt. Zum Vergleich: Der Mehrbedarf bei Ingenieuren und Sozialarbeitern beträgt jährlich drei Prozent; für die Landwirtschaft wird, umgekehrt, ein jährliches Minus von 3,6 Prozent erwartet. Gutenbergs Erben können also glücklich aufatmen, allerdings nur, wenn sie Arbeitnehmer sind.

Denn die Arbeitgeber müssen mit einem Rückgang der Betriebe rechnen, der mit der mittelständischen Struktur der Druckindustrie und den hohen Investitionskosten für moderne Anlagen zusammenhängt. Darin liegt jedoch die Chance auf Managementebene: In einer dem Handwerk entstammenden Industrie, wo heute teilweise Meister noch als ihre eigenen Unternehmer fungieren, sind die Berufsaussichten für Techniker und Ingenieure besonders günstig.

Der Wandel von traditionellen Buchdruckmethoden hin zu industriellen Fertigungsverfahren zwingt die Berufsausbildung innerhalb der Druckindustrie zu ständigen Anpassungen. Der Industrieverband Druck gab 1973 eine umfassende Arbeitsplatzanalyse in Auftrag, um Gemeinsamkeiten unter den bisherigen 24 Ausbildungsberufen herauszufinden und sie gleichzeitig neu zu ordnen. Die neue Ausbildungsordnung ist soeben in Kraft getreten (siehe Kasten).

Diese Teilneuordnung der Druckerberufe bezieht sich auf die Produktionsbereiche Vorlagenherstellung, Formherstellung (ohne Satz) und Druck. Die Grundidee ist dabei, Ausbildungsberufe mit ähnlichem Ausbildungsinhalt in einem Grundjahr zusammenzufassen. Erst in den nachfolgenden Lehrjahren werden sie in Fachrichtungen gegliedert, die der jeweiligen vorhersehbaren technischen Entwicklung entsprechen.