Verkehrsschau – das klingt, als wenn Peter Alexander den Verkehrskasper macht. In Wahrheit ist die Sache aber noch ernster. Verkehrsschau ist... ja, was?

Wie die Autos alle zwei Jahre vom TÜV auf Auspuff und Bremsen geprüft werden, so werden auch die Straßen der Bundesrepublik alle zwei Jahre auf Gefahrenstellen abgeklopft. Da machen sich kundige Behördenmenschen auf die Reifen, sehen sich in ihren Revieren um und versuchen, Verkehrsfallen zu entschärfen. Doch was die Leute vom Verkehrsschaugeschäft auch an Fehlern ausmerzen, es bleiben noch genügend Ungereimtheiten. Der ADAC, der seine Mitglieder auffordert, die Augen offen zu halten, hat eine ganze Liste von behördlichen Schlampigkeiten vorgelegt.

Auf die Fahrbahn ragende Bäume, Masten oder Meilensteine aus der Postkutschenzeit gefährden Menschenleben. Völlig verrostete, auf dem Kopf stehende oder mit ganzen Romanen verzierte Verkehrsschilder schaden mehr als sie nützen. Schilder, die durch Reklameschriften überwuchert werden, verfehlen ihren Zweck. Irreführende aufgemalte Fahrbahnmarkierungen sind gefährlich. Ein Mast mit zehn Wegweisern, in Frankfurt photographiert, steht als Symbol für die flüchtige Beschilderung in den meisten Großstädten. Wer fremd ist, und gerade er ist auf Wegweiser angewiesen, kommt sich vor wie im Irrgarten.

Jeder Autofahrer kann diese Liste verlängern. So sind etwa die Leitplanken-Anfänge an der Autobahn-Auffahrt Hamburg-Schnelsen nicht im Boden versenkt. Sie wirken wie Spieße. Wer hier auffährt, den leitet die Planke ziemlich sicher in den Tod. In der Gemeinde Quickborn nördlich von Hamburg liegt seit Monaten ein sechs Meter hoher Erdhaufen, der die Einmündung einer vorfahrtberechtigten Straße verdeckt. Dahinter können sich mühelos ganze Lastwagen verbergen.

In Wohnsiedlungen mit hohen Hecken, die jeden Einblick verwehren, gilt oft noch die Vorfahrt rechts vor links. Wenn ein Unfall geschieht, findet sich hinterher mit Sicherheit ein Schuldiger, zumal die Rechtsprechung sich angewöhnt hat, dem von rechts Kommenden Narrenfreiheit einzuräumen. An solchen Gefahrenpunkten wird alle Verantwortung den Verkehrsteilnehmern aufgeladen. Doch ein totes Kind wird nicht lebendig, wenn der "Unfallgegner" nach den Paragraphen Schuld hat.

Die Behörden müssen eben noch mehr tun, damit Unfälle gar nicht erst passieren. An jeder Kreuzung, in jeder Kurve, auf jeder Brücke, an jedem Berg.

Beispiele von ungenügender Sicherung erleben vor allem Autofahrer jeden Tag. Sie lassen es meist dabei bewenden, sich über ein von einer Laubkrone verdecktes Schild oder eine ungünstig postierte Ampel zu ärgern. Mehr tun sie nicht, auch nicht Taxifahrer und Fahrlehrer, die doch durch ihren Beruf ein besonders gut geschultes Auge für Gefahrenquellen haben.

Der Verkehrsteilnehmer sollte nicht nur mäkeln, sondern die Behörden auf konkrete Gefahren aufmerksam machen, sich an Zeitungen wenden oder auch mal an seinen Abgeordneten. Ruhig mal aufdringlich sein. Aufdringlichkeit, die Leben rettet, ist schließlich vernünftig. P. E.