Die Experimente amerikanischer Wissenschaftler von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), die der Verhütung von Blitzen dienen sollen, treten in diesem Sommer in ein neues Stadium. Nachdem zwei Jahre lang Beobachtungen und Meßwerte gesammelt wurden, beginnen jetzt die gezielten Versuche.

Die Gewitterforschung kann schon auf ein stolzes Alter von 220 Jahren zurückblicken – sie begann, als Benjamin Franklin im Jahre 1752 mit einem Drachen den Blitz als elektrischen Funken nachwies. Doch ist die Entwicklung der gewaltigen elektrischen Potentialunterschiede in einer Gewitterwolke noch keineswegs vollständig erklärt. Schuld daran tragen häuptsächlich die Schwierigkeiten, in einer Gewitterwolke, umzuckt von Blitzen, genaue Messungen auszuführen.

Eine neue Theorie geht von der Tatsache aus, daß unser Planet um sich herum ein elektrisches Feld von etwa einem Volt pro Zentimeter aufbaut, Die Partikel aus Eis und unterkühltem Wasser, die in einer Gewitterwolke vorhanden sind, stellen schlechte elektrische Leiter dar und werden daher in diesem Feld polarisiert, ihre positiven Ladungen reichern sich auf ihrer Unterseite an, die negativen auf der Oberseite.

Die Teilchen haben verschiedene Fallgeschwindigkeiten, denn die größeren fallen bedeutend schneller als die kleineren. Bei ihrem Fall holen die großen Teilchen viele kleine ein, und deren an der Oberseite konzentrierte negative Ladung neutralisiert die an der Unterseite der großen vorhandene positive Ladung. Die kleinen Teilchen sind schließlich vorwiegend positiv geladen und schweben in größeren Höhen als die schweren, negativ geladenen großen Teilchen.

Damit erhöht sich die Feldstärke und derselbe Vorgang kann sich in verstärktem Maße wiederholen und schließlich soweit aufschaukeln, daß die Potentialunterschiede sich durch einen Blitz ausgleichen. Dazu sind Feldstärkewerte von etwa 5000 Volt pro Zentimeter erforderlich.

Ein Potentialunterschied braucht sich jedoch nicht unbedingt über einen Blitz entladen. Es gibt auch die Möglichkeit stiller Entladungen, die bei geringeren Feldstärken auftreten. Den Seefahrern sind sie als St. Elms-Feuer bekannt, das bei einem Gewitter als bläuliches Leuchten an den Mastspitzen auftritt.

Die Absicht der amerikanischen Gewitterforscher besteht darin, durch Ausstreuen von etwa zehn Zentimeter langen Schnipseln aus aluminiumbeschichtetem Nylon einen Potentialausgleich über stille Entladungen hervorzurufen, bevor es zum Blitz kommt. Versuche im Labor haben ergeben, daß solche Schnipsel, von denen etwa 10 Millionen auf ein Kilograaimt gehen, in der Lage sind, in einem Feld von nur 700 Volt pro Zentimeter einen Ausgleichsstrom von 10 Ampere fließen zu lassen.