Von Jens Friedemann

Jahr für Jahr rüsteten rund zwölf Millionen Bausparer in der Bundesrepublik zur großen Prämienjagd. Durch Einzahlung ihrer Spabeiträge machten sie, meist kurz vor der Jahreswende, Millionenansprüche beim Staat geltend. Ob mit dieser Invasion neuer und alter Kunden auf die Außenstellen der 17 privaten und 12 öffentlichen Kassen auch künftig zu rechnen ist, bezweifeln Experten. Extreme Hypothekenkosten, Berge von leerstehenden Wohnungen, Baupleiten und ein neues Bauspargesetz verunsichert die Schar der Prämienjäger.

Unabhängig von der Höhe des Einkommens kassierten Bausparer bislang 400 Mark bei Einzahlung des Höchstsatzes von maximal 1600 Mark pro Jahr. Weitere 120 Mark lockten jenen Sparern, die im Jahr vor Antragstellung zu den Kleinverdienern zählten. Einzige Bedingung zur Teilnahme am Prämiensegen aus dem Staatssäckel: Das Bausparkapital mußte entweder für "wohnungswirtschaftliche Zwecke" verwandt werden oder sieben Jahre lang unangetastet bleiben.

Von der großzügigen Auslegung der "wohnungswirtschaftlichen" Verwendung profitierten nicht nur die Kassen. Zahlreiche Immobilienfonds-Gesellschaften umwarben begüterte Sparer, denen weniger am Bauen als an attraktiver Geldanlage gelegen war, mit "Steuer- oder prämienunschädlichen" Investitionen in renditeträchtigen Einkaufszentren, Büro- und Wohngebäuden im Rahmen geschlossener Bruchteils-Eigentumsfonds.

Ab 1975 werden Baukassen und Fondsmanager auf diese Kundschaft vergeblich warten. Die Prämienvergünstigung wird nach dem Willen der Bonner Reformer an die Einhaltung einer Einkommens-Obergrenze geknüpft. Ledige, deren "zu versteuerndes Einkommen" im Jahr vor Antragstellung mehr als 24 000 Mark (Verheiratete 48 000 Mark) beträgt, gehen leer aus. Zwar verbleibt ihnen die Möglichkeit, ihre Bausparbeiträge als Sonderausgaben vom Einkommen abzusetzen. Doch sind die vorgeschriebenen Höchstbeträge in diesen Einkommensschichten meist schon mit Sozial- und Lebensvesicherungsbeiträgen voll ausgefüllt. Der Bausparvertrag müßte voll aus versteuertem Einkommen, das günstige Darlehen von 4 1/2 oder fünf Prozent mit Zinsnachteilen von nur 2 1/2 oder drei Prozent in der Ansparphase erkauft werden.

Doch nicht nur für diese Gruppe hat das Bausparen seinen Reiz verloren. Benachteiligt wird kurioserweise auch jene Gruppe, der eigentlich das besondere Interesse der Bonner Reformer gelten sollte, der einkommensschwächeren Alleinstehenden mit und ohne Kindern. Ihnen kürzt das Finanzministerium das prämienbegünstigte Sparvolumen um die Hälfte auf 800 Mark. Statt 400 Mark gibt es für sie künftig nur noch eine Prämie von 184 bis 280 Mark, je nach Anzahl der Kinder.

Zu den Leidtragenden der Reform zählen auch die über 50jährigen. Bonn strich ihnen die Verdoppelung der Höchstbeträge für steuerlich absetzbare Vorsorgeaufwendungen. Obwohl Bausparer bereits in der Vergangenheit zwischen Steuervorteil und Prämie wählen konnten, beanspruchten 80 Prozent das übersichtliche und einfache Prämiensystem. Wer heute bauspart, kommt um komplizierte Rechnungen nicht mehr herum. Hier liegt der Pferdefuß begraben. Zwar werden die Höchstbeträge für Sonderausgaben per 1. Januar 1975 um rund 50 Prozent angehoben, doch findet sich im Steuerdschungel kaum noch jemand zurecht.