Der Exportboom, der die stagnierende Inlandsnachfrage bisher ausglich, beginnt spürbar abzuflachen.

Mit 25 Milliarden Mark erzielte die deutsche Industrie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Exportüberschuß, der fast doppelt so hoch wie in der gleichen Zeit des Vorjahrs war. Einmal mehr erwies sich die Ausfuhr als Stütze der Beschäftigung. Das überschäumende Exportgeschäft bei gleichzeitig flauer Absatzlage im Inland schlug bei den meisten Konzernen deutlich zu Buch: Der Anteil des Auslandsgeschäfts am Gesamtumsatz stieg auf zuvor nie erreichte Höhen, bei der BASF beispielsweise im Juni auf 59 Prozent (Juni 1973: 53 Prozent).

"Der Höhepunkt im Anstieg der Auslandsnachfrage", so diagnostizierten jetzt die Konjunktur-Beobachter der Commerzbank, "dürfte jedoch nunmehr überschritten sein". Begründung: Die nachlassende Konjunktur in den wichtigsten Abnehmerländern wird nach Ansicht der Bank-Analysten "die Auslandsnachfrage allmählich beeinträchtigen".

Auch für andere Beobachter ist ein Ende des schönen Booms in Sicht. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsordnung in Essen und der Kölner Stahlindustrielle und DIHT-Präsident Otto Wolff von Amerongen sehen vor allem für die besonders verwöhnten Hüttenkonzerne ruhigere Zeiten heranbrechen. Noch immer ist zwar die Beschäftigung der Stahlkonzerne gut, noch liegen die Preise für Exportstahl um 40 bis 200 Mark pro Tonne über denen für Inlands-Mark doch dauert der gegenwärtige Stahlboom bereits länger als alle vorangegangenen Konjunkturbelebungen.

Ermüdungserscheinungen zeigt der Auftragsstrom aus dem Ausland auch in der Chemieindustrie. Vor allem Abnehmer von Fasern und Lacken, die in Erwartung weiter steigender Vormaterialpreise in den vergangenen Monaten kräftig auf Lager gekauft hatten, üben jetzt Zurückhaltung.

Weniger betroffen sind vorerst noch die führenden Produzenten von Maschinen Investitionen im Energiebereich und die Nachfrage der "neureichen" Ölländer sorgen hier für einen regen Order-Nachschub. Bonn ist auf ruhigere Zeiten vorbereitet. Ministerialdirigent Raabe im Wirtschaftsministerium: "Wir sehen, daß sich die Weltkonjunktur, teilweise als Folge der Dämpfungsmaßnahmen, abschwächt." Eg