Am Mittwochmorgen brach der Krieg auf Zypern wieder aus. Kurz nachdem die zweite Runde der Genfer Zypern-Konferenz geplatzt war, bombardierten türkische Flugzeuge den Rundfunk und andere Ziele im griechischen Viertel der Hauptstadt Nikosia. Die türkischen Invasionsstreitkräfte im Norden des Inselstaates rückten weiter vor; in vierschiedenen Teilen des Landes wurde zwischen griechischen und türkischen Zyprioten schwer gekämpft. Großbritannien berief sofort eine Sitzung des Weltsicherheitsrates ein. Der Weltsicherheitsrat forderte die Kämpfenden auf, sofort den Waffenstillstand wiederherzustellen und weiterzuverhandeln. Griechenland hat aus Protest gegen das Vorgehen seines Bündnispartners Türkei die militärische Organisation der Nato verlassen. Es will, nach dem Vorbild Frankreichs, dem Atlantikpakt nur noch politisch angehören.

Am Donnerstag voriger Woche hatten sich die Außenminister der drei Garantiemächte – Großbritannien, Griechenland und Türkei – in Genf zu einer zweiten Konferenz versammelt, zu der diesmal auch die Führer der beide! Bevölkerungsgruppen auf Zypern, der (griechische) amtierende Präsident Klerides und der (türkische) Vizepräsident und Verwaltungschef Denktasch, eingeladen waren. Es sollten Richtlinien für eine Änderung der zyprischen Verfassung ausgearbeitet werden.

Bis dahin war der Waffenstillstand auf der Insel immer wieder durch örtliche Kämpfe unterbrochen worden. Unter Aufsicht von Offizieren der UN gelang es jedoch am Wochenende, Demarkationslinien festzulegen. Die Türken hatten zuvor ihren Brückenkopf am die Hafenstadt Kyrenia erheblich ausgeweitet; etwa 30 000 Griechen waren aus den von ihnen besetzten Gebieten geflohen. Präsident Klerides versuchte die La je etwas zu entspannen, indem er der Nationalgarde befahl, einige der im Süden besetzten türkischen Orte zu räumen.

Die Genfer Konferenz geriet jedoch alsbald in eine Krise, als die Türkei ultimativ eine sogenannte Kantonalverfassung für Zypern verlangte. Innerhalb eines föderativen Staates sollten sechs autonome türkisch-zyprische Verwaltungsgebiete geschaffen werden. Dieser Vorschlag sei, so argumentierte Außenminister Günes, bereits ein großes Entgegenkommen, weil die Türkei damit auf ein einheitliches, geschlossenes Siedlungsgebiet ihrer Minderheit verzichte, das heißt auf die faktische Teilung der Insel.

Griechenland und die griechisch-zyprische Regierung wollten den Inseltürken (20 Prozent der Gesamtbevölkerung) zunächst nur eine begrenzte Selbstverwaltung zubilligen, erbaten sich dann aber zwei Tage Bedenkzeit, um Gegenvorschläge auszuarbeiten, die den türkischen Wünschen entgegenkämen. Doch Außenminister Günes wollte keine Verzögerung mehr hinnehmen.

Ankara begründete das erneute militärische Vorgehen mit der mangelnden Kompromißbereitschaft Griechenlands. Es diene lediglich der Unabhängigkeit Zyperns und dem Schutz der türkischen Minderheit. Zypern werde von der Regierung in Athen immer noch als eine völlig griechische Insel angesehen. Die griechischen Zyprer wurden aufgefordert, sofort die Waffen niederzulegen.

Demgegenüber erklärte der griechische Außenminister Mavros, es sei eine gefährliche Illusion zu glauben, daß sich die Zypernkrise militärisch lösen lasse. Keine Armee der Welt könne einer Bevölkerung von einer halben Million den Willen von nur 120 000 Menschen aufzwingen. Präsident Klerides nannte den neuen türkischen Angriff einen Akt der Aggression.