Die Pleitenwelle rollt. Noch nie sind in der Bundesrepublik so viele Unternehmen in Schwierigkeiten geraten wie in diesem Jahr. Während in dem "Aufschwungjahr" 1969 nur 1860 Firmen das Handtuch warfen, mußten in diesem Jahr bereits in den ersten sechs Monaten 3521 Konkurs anmelden oder ein Vergleichsverfahren beantragen.

Betroffen davon sind nicht nur Arbeitnehmer und Gläubiger dieser Firmen. Oft ist es auch für die Kunden sehr schmerzlich, wenn eine jahrelange Geschäftsverbindung abreißt: Plötzlich existiert der Schreiner nicht mehr, der den Schrank angefertigt hat, bei dem nun eine Schublade klemmt; dringende Garantiearbeiten an einem kürzlich bezogenen Haus müssen von einem anderen Bauunternehmen – und natürlich für viel Geld – ausgeführt werden, weil die verantwortliche Firma pleite ist; der Schuster oder der Lebensmittelhändler an der Ecke schließen die Tür für immer, die nächsten Geschäfte sind nur nach einem langen Fußmarsch zu erreichen.

Gesamtwirtschaftlich nennt man das Gesundschrumpfen. Aus der Nähe betrachtet sieht es anders aus: Verlorene Garantieleistungen, kein Laden an der Ecke mehr. Auch wenn es nicht immer gleich eine Bankpleite ist – ärgerlich ist es schon. mj