Hannsheinz Porst braucht Kapital. Doch kein Geldgeber wollte die sozialen Eskapaden des Nürnbergers finanzieren

Es ist nicht einmal zwei Jahre her, da erklärte Hannsheinz Porst noch, es sei für ihn ein Indiz der Ehrlichkeit", ob Verträge, die den Mitarbeitern eines Unternehmens eine Teilhabe am Kapital und Gewinn sowie erweiterte Mitspracherechte einräumen, dauerhaft gültig seien. "Wenn in Modelle Kündigungsfristen eingebaut sind, ist das Ganze eine Farce."

Nun hat Hannsheinz Porst seine eigene "Betriebsverfassung" zur Farce gemacht, indem er – ohne die Mitarbeiter zuvor auch nur zu informieren – bekanntgab, daß wichtige Teile seines Modells wieder außer Kraft gesetzt oder wesentlich modifiziert würden. "In einer solchen Situation, wo es um die wirtschaftliche Zukunft der Porst-Gruppe geht, können wir keine Befragung machen", erklärt sein Geschäftsführer Gustav Kampmann.

Wenn die beabsichtigte Beteiligung einer anderen Firmengruppe wie geplant zu Beginn des kommenden Jahres zustande kommt, erhalten die Porst-Mitarbeiter zwar weiterhin einen Anteil vom Gewinn (aber nur 25 statt bisher hundert Prozent), doch von der "Selbstbestimmung" der Mitarbeiter wird nicht viel übrigbleiben. Daß große Teile des Porstschen Führungsmodells für einen zukünftigen Kapitalgeber (inakzeptabel sind – sogar die Gewerkschaften winkten ab und wollten keine Mark riskieren –, darüber macht sich niemand in der Nürnberger Firmengruppe Illusionen.

Der Entschluß, einen Partner aufzunehmen, ist Hannsheinz Porst sicher nicht leichtgefallen. Harte wirtschaftliche Fakten haben die Entscheidung erzwungen. Daß dabei die kollektive Entscheidungsfindung auf allen Ebenen des Unternehmens mit über Bord geht, ist auch nicht weiter tragisch. Daß dieses Experiment nicht gut enden würde, haben alle Fachleute vorausgesehen.Die ursprüngliche Betriebsverfassung des Nürnberger Photohauses enthielt aber auch viele Elemente, die es wert gewesen wären, einem Dauertest in der Praxis unterworfen zu werden. Die vielen eingebauten Schwächen haben es allerdings von vornherein fraglich erscheinen lassen, ob eine solche Erprobung über längere Zeit überhaupt möglich sein würde. Einer der inneren Widersprüche war, daß Porst die Gewinnerzielung aus ideologischen Gründen ablehnte, andererseits aber seine Mitarbeiterbeteiligung allein darauf aufbaute, daß die Porst-Gruppe einen überdurchschnittlichen Profit erwirtschaftete.

So hat das Experiment schließlich mehr Schaden als Nutzen gestiftet. Der sprunghafte Idealist liefert allen denen Munition, die soziale Experimente im Betrieb prinzipiell ablehnen. Sie werden noch lange hämisch auf das Nürnberger Beispiel hinweisen.

Hätte Porst auf seinen ehemaligen Geschäftsführer Dieter Reiber gehört, der die Gruppe nicht nur durch eine schwierige geschäftliche Phase mit viel Geschick hindurchgesteuert hatte, sondern auch an der Ausarbeitung des ursprünglichen Beteiligungsmodells maßgeblich mitgewirkt hat, wäre ihm manche bittere Erfahrung erspart geblieben. Abgesehen von der Frage, ob sich Führungsprinzipien, die sich in politischen Körperschaften bewährt haben, auf Unternehmen übertragen lassen, hat Porst viele seiner Reformen zu wenig durchdacht und überstürzt zu verwirklichen versucht.