Ein belgischer Baron muß eine Beteiligung in der französischen Atomreaktor-Industrie verkaufen. Jetzt sucht die Regierung in Paris einen Teilhaber im eigenen Land.

Trotz Sommerferien macht Frankreichs Schwerindustrie Schlagzeilen – ausgerechnet wegen eines Ausländers. Schuld an der saisonunüblichen Betriebsamkeit ist der belgische Baron Edouard-Jean Empain, mit 36 Jahren bereits einer der Großen im Geschäft mit Eisen und Stahl. Seit einem Jahr streitet der Baron, ob er seine Macht weiter ausdehnen darf.

In der vergangenen Woche zerbrachen sich sogar Staatspräsident Giscard d’Estaing und sein Industrieminister Michel d’Ornano den Kopf, wie der Streit um den "Atom-Baron" aus der Welt geschafft werden könnte. Im Mittelpunkt des Empain-Imperiums steht der Konzern Schneider ("die französischen Krupps") mit ungefähr 100 000 Beschäftigten, einem Jahresumsatz von über fünf Milliarden Mark und Aktivitäten im Schiffbau, im Werkzeug- und Maschinenbau und – mit der Firma Creusot-Loire – im Bau von Atomreaktoren.

Creusot-Loire gehört zur Hälfte dem belgischen Adelsmann. Die anderen 50 Prozent des Kapitals verwaltet Marine-Firminy, eine Holding, die auch Beteiligungen an der Saar, in Lothringen und am Stahlkomplex von Fos bei Marseille hält.

Daß ein Ausländer beim Bau von Atomzentralen mitredet, war Paris von Anfang an ein Ärgernis. Doch schließlich wurde Baron Empain von seinem Partner Marine-Firminy in Schach gehalten. Die beiden hatten nämlich 1970 vereinbart, daß sie die Parität ihrer Beteiligungen an Creusot-Loire nicht antasten wollten.

Der machthungrige Empain aber versuchte, seinen Einfluß auf einem Umweg zu vergrößern. Er kaufte im November 1973 für über 80 Millionen Mark kurzerhand an der Börse ein Drittel der Aktien seines Partners Marine zusammen und verlangte offiziell die vollständige Kontrolle über diese Holding.

Diesen Eifer erklärten die Gerichte für unzulässig. Der vertragsbrüchige Baron muß, sofern die Revisions-Instanz nicht anders entscheidet, sein neuerworbenes Marine-Paket wieder verkaufen. Die Frage ist nur: an wen?