Lichtblicke für Volkswagen: Der Golf schlug in der Bundesrepublik gut ein. In den USA deutet sich eine Absatzbelebung an.

Wir beten, daß er ankommt." So zitiert das amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek einen Volkswagen-Verkaufsleiter in den Vereinigten Staaten. In Europa kam der "Golf"-Werbeslogan: Der neue Volkssport – bereits bei 20 323 VW-Kunden an, die innerhalb eines Monats nach dem Verkaufsstart Anfang Juli das neueste Produkt des Volkswagenkonzerns kauften. Damit stellten sie die Planer in Wolfsburg "voll und ganz zufrieden", obwohl nur die 70-PS-Version zu haben war. Das sparsamere 50-PS-Modell kommt erst jetzt auf den Markt.

Dieser Erfolg kam nicht ganz unerwartet. Schon der technisch weitgehend identische – als Sport-Coupe ausgelegte – Golf-Vorläufer "Scirocco" hatte regen Zuspruch erfahren. Er ist bereits bis zum Februar nächsten Jahres ausverkauft. 200, in Kürze 300, Sciroccos laufen täglich vom Band. Eine für diesen Markt "stolze Zahl", wie man in Wolfsburg meint. Der Erfolg mit Scirocco wird in erster Linie auf Kosten der Konkurrenzmodelle Ford Capri und Opel Manta erzielt. Vom Capri, dessen: Produktion zur Hälfte von den USA abgenommen wird, werden täglich 550 bis 600 Stück gebaut, beim Manta sind es auf Grund eines schwachen US-Geschäfts augenblicklich rund 300, halb soviel wie noch vor drei Monaten.

Ganz andere Stückzahlen muß freilich ein Auto wie der Golf bringen. An ihm hängt die nähere Zukunft des VW-Konzerns, wenn auch nach wie vor die Formel vom Käfer-Nachfolger in Wolfsburg tabu ist. Welche Umwälzungen der Golf im VW-Angebot dennoch schon bald bewirken wird, zeigen die Produktionspläne: Zum Jahresende 1974 sollen täglich 2000 Golf produziert werden. Bei diesen Zahlen geraten die Käfer ins Hintertreffen. Zum gleichen Zeitpunkt dürften die drei europäischen Käfer-Werke Emden, Hannover und Brüssel zusammen nur noch 1500 dieser Oldtimer fertigstellen.

Die Käfer-Weltproduktion erreicht damit pro Tag 4000 Stück, die mittelfristige Planzahl ist 3000. Die glanzvollen Tage des Käfers mit Stückzahlen bis zu 5800 sind vorbei.

Der Golf soll auch schaffen, was dem hierzulande äußerst erfolgreichen "Passat" nicht gelang: dem Geschäft in den USA neue Impulse zu geben. Dabei kommen den Wolfsburgern die amerikanischen Autohersteller selbst zur Hilfe. Sie kündigten kürzlich für die im Herbst erscheinenden 1975er-Modelle Preiserhöhungen zwischen acht und 15 Prozent an, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit der VW-Verkäufer gestärkt werden dürfte. Schon plakatieren die VW-Werber dieses in der amerikanischen Presse.

Das allein würde wenig helfen, wenn sich die flaue Autokonjunktur in den USA nicht endlich belebte. Dafür registriert man in Wolfsburg schon Anzeichen: "In den ersten zehn Tagen des August hatten wir da ein Geschäft wie lange nicht mehr." rf