Der sportpolitische und gesinnungstheoretische Nachhilfeunterricht fand nur in Ansätzen statt. Die Zuhörer wußten schon fast alles. Bei den Teilnehmern der Informationstagung "Werbung und Sport" im Frankfurter Römer handelte es sich, von einigen Hilfsschülern abgesehen, um Fortgeschrittene.

Nur wer einen Erdrutsch an kollektiver Entscheidungsfreudigkeit und -befugnis erwartet hatte, konnte von der Zusammenkunft enttäuscht sein. Die Vertreter der DSB-Mitgliedsverbände hatten sich zur Diskussion und Meinungsbildung versammelt, und man tut ihnen Unrecht und verkennt die wirkliche Sachlage, wenn man sie, wie bereits öffentlich geschehen, pauschal als "kleinkarierte Klugscheißer" abkanzelt, weil sie die Exekution der Werbe-Vampire nicht gleich an Ort und Stelle vornahmen. Mit einem empörten gemeinschaftlichen Aufschrei der Funktionäre allein läßt sich diese Plage der sportlichen Landschaft nämlich nicht begraben. Da sind Aufklärungsfeldzüge bis an die Basis der direkt Betroffenen notwendig, und um nichts anderes als die Zeit dazu wurde in Frankfurt gebeten.

Die Zielvorstellungen sind jedenfalls klar abgesteckt. Das strikte Verbot der Werbung am Mann bleibt weiter der Dreh- und Angelpunkt des von DSB, NOK und Sporthilfe gemeinsam erarbeiteten und nun zu ergänzenden Thesenpapiers, das schließlich dem DSB-Hauptausschuß am 30. November 1974 zur endgültigen Entscheidung vorgelegt werden soll. Im Frankfurter Römer gab es viele Ansätze für die begründete Hoffnung, daß danach das Großreinemachen beginnen kann. Das kaum noch erwartete Gegenteil, die sportamtliche Besiegelung der Bloßstellung, hätte allerdings Folgen, die sich selbst der vereinsblindeste Funktionärs-Tiefflieger nicht wünschen dürfte: die Zwei- oder Mehrklassenspaltung des Sports in Besitzende und Nichtbesitzende, potentielle Sieger und notorische Mißerfolgsprogrammierte und schließlich in den Bundesverband der sportlichen Wirtschaft auf der einen und den guten, alten Hintertreppen-DSB auf der anderen Seite. Harald Pieper