Verbissen wie Richard Nixon kämpft Hans Gerling zur Zeit um sein Überleben. Doch Eingeweihte zweifeln nicht mehr daran, daß der Kölner Versicherungs-Chef am Ende einer langen und vermutlich gnadenlosen Treibjagd der Herstatt-Geschädigten auf das Gerling-Vermögen sein Watergate erleben wird.

Wie isoliert der Mann ist, der zur Zeit in seiner pompösen Konzerntrutzburg hinter einem Schutzwall von Verteidigungsargumenten Stellung bezogen hat, offenbarte sich erst letzte Woche. Seinen über das Fernsehen lancierten Vorschlag, die Bundesbank solle jährlich ein Prozent der von den Kreditinstituten hinterlegten Mindestreserven zugunsten einer Hilfsaktion für die Herstatt-Gläubiger bereitstellen, stieß in der Geldbranche auf eisige Ablehnung. Bevor er das Kreditgewerbe um Unterstützung angehe, so kommentierten die Bankbosse spitz, solle Gerling erst sein eigenes Versicherungsvermögen in seinen Rettungsplan einbeziehen.

Davon jedoch will der Herstatt-Großaktionär noch nicht viel wissen. Gerling: "Dank der Geschäftspolitik, die dieses Unternehmen traditionsgemäß betrieben hat, haben wir ein großes Vertrauenskapital erworben, das mit dem Namen Gerling verbunden ist."

Doch all das ist Vergangenheit. Schon bald könnte sich hingegen erweisen, daß der Name Gerling nicht mehr für Solvenz und Bonität steht, sondern für eine durch einen Rattenschwanz von Prozessen begleitete Affäre. Gerade für einen Versicherungskonzern wie Gerling könnte der damit verbundene Rufschaden schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Schon die nächsten Wochen werden den Herstatt-Gläubigern herbe Enttäuschungen bescheren. Bereits jetzt ist so gut wie sicher, daß die durch Devisen-Termingeschäfte entstandenen Verluste erheblich über den zunächst ermittelten 470 Millionen Mark liegen werden, möglicherweise nur knapp unter einer Milliarde. Die Bankeinleger müßten in diesem Fall damit rechnen, daß die von Bundesbankpräsident Karl Klasen kurz nach Bekanntwerden des Herstatt-Debakels auf 75 Prozent geschätzte Vergleichsquote erheblich niedriger liegt, möglicherweise sogar unter dem für einen Vergleich notwendigen Mindestsatz von 35 Prozent.

Doch selbst wenn das Limit erreicht würde, könnte ein Vergleichsverfahren an der fehlenden Zustimmung von mindestens 75 Prozent der Gläubiger scheitern. Für die Opfer der Herstatt-Pleite wäre es sogar von Vorteil, wenn es anstatt zu einem Vergleich zum Konkurs käme, weil nur in diesem Fall die Chance bestünde, durch einen Anschlußkonkurs im Nachfassen mittels Durchgriffshaftung die Hand auch auf Hans Gerlings Privatvermögen zu legen.

Doch selbst wenn es Gerlings cleveren Anwälten gelingen sollte, den Ansturm der Herstatt-Einleger auf das im Versicherungskonzern gebundene Vermögen abzuwehren, wäre der Vertrauensverlust für Gerling immens.