Die neue griechische Regierung fühlt sich trotz Zypern- und Bündniskrise stark genug, die Kommandostellen der Armee von den Anhängern der entmachteten Junta zu säubern. Am Montag wurde der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Bonanos, abgelöst, desgleichen der Heeresoberbefehlshaber, General Galatsanos. Nachfolger von Bonanos wurde General Marbouzis, den die Obristen 1967 entlassen hatten.

Von allen drei Problemkreisen berührt indes der Austritt Griechenlands aus der Militärorganisation der Nato die Athener Sicherheitsbelange und Außenpolitik, aber auch die Allianz selber, am stärksten. Zwar ist dies kein völliger Bruch mit der Nato, da Athen ihr politisch weiter angehört – ebenso wie Frankreich seit seinem militärischen Ausscheiden im Jahr 1966. Aber anders als im Falle Frankreichs ist die Nato jetzt an einer Stelle aktionsunfähig, die unmittelbar an den Warschauer Pakt (Bulgarien) grenzt (siehe Karte).

Griechenland begründete die Aufkündigung seiner Bündnisverpflichtungen (und den Verzicht, Bündnisrechte in Anspruch zu nehmen) mit der "Unfähigkeit der Nato, die Türkei davon abzuhalten, eine Konfliktsituation zwischen zwei verbündeten Ländern zu schaffen". Unklar ist bisher, ob Griechenland nach dem Vorbild Frankreichs die Schließung der Nato-Basen auf seinem Territorium verlang. Die Amerikaner unterhalten hier außerdem militärische Stützpunkte auf Grund bilateraler Verträge mit Athen; in griechischen Hoheitsgewässen ankert die Sechste Flotte.

In einer Rede an die Nation gab Karamanlis zu, daß Griechenland in die Kämpfe um Zypern auf seiten der Nationalgarde nicht habe eingreifen können – "wegen der Entfernung und der vollendeten Tatsachen". An seine Landsleute richtete er die rhetorische Frage: "Sollten wir Gewalt mit Gewalt beantworten, Betrug mit Betrug? Sollten wir Zuflucht zu den Gesetzen des Dschungels suchen?"