Nelson Rockefeller, der künftige Vizepräsident der Vereinigten Staaten, errang seinen stolzesten Triumph in einer Niederlage: 1964 auf dem Parteikonvent der Republikaner, als er im "Kuhpalast" von San Franzisko den ihn mit wölfischem Wutgeheul niederschreienden Fanatikern des rechten Parteiflügels mit einer mannhaften Verteidigungsrede für Liberalität die Stirn bot und sich mit aller Kraft, wenn auch vergeblich, Barry Goldwater entgegenstemmte.

Goldwater, der Präsidentschaftskandidat, ging gegen Lyndon Johnson unter wie ein torpediertes Schiff. Doch Rockefeller begriff dieses Zeichen nicht und zauderte vier Jahre danach wieder zu lange; Richard Nixon machte das Rennen. Dabei hätte der gutaussehende "Rocky", der populäre Verwalter eines Ölmilliarden-Erbes und Kunstmäzen, durchaus das Zeug für das Weiße Haus gehabt. Er hatte unter Roosevelt, Truman und Eisenhower viele bedeutende Positionen inne und sich in drei Amtszeiten als Gouverneur des Staates New York bewährt.

Mit seiner Ernennung bindet Gerald Ford den gemäßigten Fügel der Republikaner und die schwergewichtigen Wirtschaftsführer der Ostküste an sich. Der inzwischen konservativer gewordene Rockefeller bedeutet auch keine Gefahr mehr für die Präsidentenwahl von 1976, er wird dann schon 68 Jahre alt sein – zu alt, auch wenn er an der Seite seiner Frau so vital bleibt wie wenige politische Großväter. J. Sch.