Neu in Museen und Galerien:

Bremen Bis zum 15. September, Kunsthalle: "Die Stadt – Druckgraphische Zyklen des 19. Jahrhunderts"

Der zweite Teil der großen Bremer Jubiläumsschau über die Stadt in der bildenden Kunst, von der Romantik bis zur Gegenwart, ist sehr viel besser, übersichtlicher weniger doktrinär geraten als die vorangegangene Hauptveranstaltung, bei der das Thema am Medium der Malerei abgehandelt wurde. Damals waren soziologische Probleme in den Vordergrund gerückt, das Bildermaterial wurde als eine Art Künstlerinitiative zur Rettung unserer Städte interpretiert, so als hätten die Maler schon immer und früher als andere vor den Gefahren im modernen Städtebau und inhumanen Fehlplanungen gewarnt. In den zwanzig ausgestellten Graphikzyklen sind solche Tendenzen nicht vorhanden, auch in den Katalogtexten wird nichts dergleichen behauptet. Das 19.Jahrhundert übernimmt die Stadt als Vedute, als topographisches Faktum vom 18. Jahrhundert, ersetzt die überlieferte Stadtansicht alsbald durch subjektive Reflexionen und macht sie für die unterschiedlichsten Intentionen verfügbar. Für Charles Meryon, den "genialen Einzelgänger" unter den Graphikern des 19. Jahrhunderts, wird das Paris der Jahrhundertmitte zum surrealistischen Labyrinth der Gespenster und Chimären. Es folgen Whistler mit seiner Venedig-Mappe, Max Klinger mit seinem "Dramen-Zyklus", dieser grandiosen Mischung aus Kolportage und Reportage und sozialem Engagement, frei nach Zola und im Berlin der Gründerjahre angesiedelt. Auch die Graphik des 20. Jahrhunderts ist mit glänzenden und extremen Beispielen belegt. Dreimal Paris, drei total verschiedene Erfahrungsberichte, von Delaunay, von Léger, von Giacometti ("Paris sans fin", erst 1969 postum erschienen). Zu den deutschen Künstlern, die sich lyrisch, expressiv, sozialkritisch mit der Großstadt befassen, zählen Beckmann, Kirchner und George Grosz.

Düsseldorf – Bis zum 15. September, Kunsthalle: Skulpturale Konzeption: Phillip King, Ad Dekkers, Thomas Lenk"

Drei Ausstellungen, drei unterschiedliche Aspekte zeitgenössischer Plastik. Das einzige, was die drei Bildhauer, ein Engländer, ein Holländer, ein Deutscher gemeinsam haben: sie arbeiten nicht realistisch. Ad Dekkers, der in diesem Frühjahr gestorben ist, hat im holländischen Konstruktivismus der 60er Jahre eine Rolle gespielt, diesem sehr exklusiven Zirkel, in dem die Ideen des "stijl" radikal weitergedacht wurden, auf einer rein intellektuellen, ideologiefreien Ebene. Die Ausstellung umfaßt Arbeiten aus zehn Jahren, plastische und zeichnerische Exerzitien zum Thema "Die Linie", scharfsinnige Untersuchungen über die Linie als Abstractum und als konkrete Handlung, als Eingriff und Störung der Fäche, etwa in der Form des Sägeschnitts. Der Katalog bringt einen ausführlichen Kommentar von Leering (die Ausstellung war vorher im Van Abbe-Museum). Von Thomas Lenk ist eine saalfüllende "Raumskulptur" zu besehen, die auch schon in Essen und in Stuttgart gezeigt wurde, nichts prinzipiell Neues. Lenk ist nach wie vor mit dem Problem der Schichtung befaßt. Phillip King dagegen demonstriert Mobilität, im Konzept und in der Ausführung. Zwölf Arbeiten sind in Düsseldorf ausgestellt, die meisten sind nach 1968, nach seinem erfolgreichen Biennale-Debüt in Venedig entstanden. Seine Stahlskulpturen mit den scharf silhouettierten Formen kommen aus der Werkstatt eines Ingenieurs, der aus. Stangen, Schaufeln, Gitternetzen, gewölbten und gewinkelten Flächen technische Apparaturen, landwirtschaftliche Geräte konstruiert. Den speziellen King-Effekt erhalten die Skulpturen durch die kräftigen Farben. Ein Handicap dieser vom British Council organisierten Ausstellung (anschließend in Bern und Turin): Die Skulpturen sind nicht fürs Museum konzipiert, sie gehörten eigentlich ins Freie, in ein landschaftliches oder architektonisches Ambiente. Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen:

Baden-Baden Bis zum 29. September, Kunsthalle: "Juan Gris"