Die Mauerblümchen von heute sind Männer, Allerdings wissen sie es noch nicht – doch die Wahrheit ist: Sie sind überzählig geworden.

  • 76 800 mehr Männer als Frauen im Alter zwischen 18 und 50 Jahren leben in der Bundesrepublik.
  • Das ist ein Überschuß von etwa sechs Prozent.
  • Und das bedeutet: Jeder 16. Mann dieser Altersgruppe hat statistisch keine Chance, jemals eine Familie zu gründen.

Ursache für diesen Männerüberschuß ist die Medizin. Seit Menschengedenken werden für jeweils 100 Mädchen etwa 104 bis 107 Jungen geboren. Daraus entstand früher kein Männerproblem, weil die von Natur aus schwächlicheren Jungen in größerer Zahl starben als die Mädchen. Erst der Fortschritt in der Geburtshilfe, Säuglingshygiene und Kinderheilkunde stoppte den natürlichen Ausleseprozeß. Seitdem überleben auch die schwächlichen männlichen Säuglinge und Kleinkinder. Daher bleibt das Zahlenverhältnis der Geschlechter bis ins hohe Erwachsenenalter bestehen. Dann aber verringert sich der Männerüberschuß, weil die gesünderen Frauen mit ihrer höheren Lebenserwartung im Durchschnitt sechs Jahre später sterben.

Soziologen wollen erkannt haben, daß die auffällige Zunahme der Frühehen eine Folge des Männermangels sei: Wegen des härteren Konkurrenzkampfes sichern sich heute mehr junge Männer durch schnelle Heirat rechtzeitig eine Frau. Aus dem gleichen Grund macht sich bei den Tanzschulen ein stärkerer Zulauf von Jünglingen bemerkbar. Vorbei sind die Zeiten, als die Tanzlehrer den männlichen Teilnehmern Vorzugspreise einräumten, damit den jungen Mädchen nicht die Partner fehlten. Heute ist der Andrang der jungen Männer in den Tanzschulen mindestens so stark wie der im allgemeinen tanzfreudigeren Mädchen. Nichttänzer, das begreifen allmählich alle Männer, haben im Kampf um die Frau immer weniger Chancen.

Nur noch die Ehemänner, die älter als 50 Jahre sind, leben in einem wahren Männerparadies. Sie werden oft so maßlos verwöhnt, daß die Söhne und Enkel vor Neid erblassen. Das ist kein Söhne der Auf jeweils zwei dieser Männer-Altersgruppe entfallen rein rechnerisch drei Frauen im dankbaren Alter. Denn 3,8 Millionen Junggesellinnen, Witwen und geschiedene Frauen im Alter von 46 Jahren an haben durch die Männerverluste des Zweiten Weltkrieges ihre Heiratschancen verloren. Sofern sie noch nicht resignieren, sind sie eine harte Konkurrenz für die verheirateten Frauen. Jeder Mann dieser Altersgruppe, der seinen Urlaub allein verbringt, sich scheiden läßt oder Witwer wird, sieht sich im Blickfeld reifer Frauen, die ihn für sich gewinnen wollen.

Infolge dieses hohen Kurswertes auf dem Liebes- und Heiratsmarkt können sich die Männer über 50 nahezu alles erlauben. Sie tragen ungeniert ihren dicken Bauch, ihre toupetlose Glatze, ihre reparaturbedürftigen Zähne und schlechtsitzende Kleidung zur Schau. Sie können es sich leisten, zu Hause rumzumuffeln und sich sonntags nicht zu rasieren. Trotzdem werden diese Männer von ihren Frauen mit erstaunlicher Nachsicht behandelt. Denn die verheirateten Frauen im dankbaren Alter sagen sich: Lieber diesen Mann als keinen.

Genau das gegensätzliche Schicksal steht den Ehemännern der nächsten Generation bevor. Ihre Ehefrauen werden sich infolge des Männerüberschusses Freiheiten erlauben, die sich ihre Mütter und Großmütter versagen mußten. Wer kann es ihnen verwehren? Die Ehemänner müssen nachsichtiger sein und sich bedeutend mehr Mühe geben, um ihre Frauen zu halten. Die Situation der Frau, die früher weitgehend vom Frauenüberschuß bestimmt war, wird sich immer mehr ins Gegenteil verkehren. Ein Vorurteil wird bestimmt abgebaut: die Frauen hätten treuer zu sein als die Männer.