Adenauer suchte beharrlich das Gespräch mit Moskau

Von Arnulf Baring

"25. Juli 1966. Die Engländer ziehen ab. Die Amerikaner langsam auch. Die Sowjets bleiben. Und wer regt sich darüber auf? ... Man findet sich ab. Der Status quo nunc – bleibt; darauf einigen sich die Mächte." Und dann die resignierte Schlußfolgerung: "Mit Pankow leben."

Wo steht das? In einem Tagebuch, das in seiner ganz uneitlen Aufrichtigkeit, in einer geradezu römischen Nüchternheit und klassischen Kürze zu den wichtigsten politischen Zeugnissen unserer Zeit gehört. Es stammt von Heinrich Krone. Besonnene Ruhe und ausgleichende Wesensart haben über viele Jahre hinweg den Geschäftsführer und späteren Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der dann auch noch Minister wurde, zum stillen Mittelpunkt, zum getreuen Ekkehard seiner Partei gemacht; wie sich jetzt herausstellt, ist er dabei ein immer bescheidener, auch selbstkritischer, zuverlässiger Beobachter seiner Umgebung und der Weltentwicklung gewesen. Knapp, ohne Zutaten, hat er aufgeschrieben, was er sah und hörte; er hatte es nicht nötig, sich in solchen Aufzeichnungen selbst zu bespiegeln, war nicht der Mann, sich übertreibend in den Blickpunkt des Betrachters zu rücken. Wenn es nach ihm gegangen wäre, nach seiner ursprünglichen Absicht, dann hätten nur die eigenen Kinder dieses knappe Dutzend Tagebücher zu sehen bekommen; sie sollten eines Tages lesen können, was ihr Vater im Dritten Reich, dann in der Bundesrepublik getan und miterlebt habe.

Glücklicherweise ist es gelungen, Krone jedenfalls zu einer Teilveröffentlichung zu bewegen. Wie immer ohne allen Aufhebens hat er, geradezu an versteckter Stelle, einige Auszüge, nämlich "Aufzeichnungen zur Deutschland- und Ostpolitik 1954–1969", immerhin 67 Druckseiten lang, in den

"Adenauer-Studien III. Untersuchungen und Dokumente zur Ostpolitik und Biographie"; hrsg. von Rudolf Morsey und Konrad Repgen; Matthias Grünewald Verlag, Mainz 1974; 274 S., 34,– DM

erscheinen lassen. Sein Text ist weit über die Thematik der Überschrift hinaus bedeutungsvoll. Hat uns Krone nicht einen Blick auf den Grund seines Denkens und Fühlens freigegeben, wenn er, erschüttert vom Tode Adenauers ("Wir haben ihn nicht mehr"), am 19. April 1967 schreibt: