Eine wenig bekannte Gattung der bei uns noch immer wenig bekannten polnischen Dichtung stellt ein neuer Band der Reihe "insel taschenbuch" vor: die oft verzweifelt witzige Zeit- und Gesellschaftskritik in Form von Aperçus: "Denkspiele – Polnische Aphorismen des zwanzigsten Jahrhunderts", herausgegeben und mit einem Nachwort von Antoni Marianowicz und Ryszard Marek Gronski, aus dem Polnischen von Henryk Bereska, Karl Dedecius, Jutta Janke, Kurt Helm, Heinz Olschowsky, Caesar Rymarowicz, mit Illustrationen von Klaus Eniskat (it 76, Insel Verlag, Frankfurt, 1974; 104 S., 5,– DM). Daraus folgende Proben:

Der Aphorismus funkelt und lügt durch seine Kürze. Karol Irzykowski (1873–1944)

Es gibt Lügen, an die man sich mit beiden Händen klammern muß, um nicht der letzten Wahrheiten verlustig zu gehen.

Adolf Nowaczynski (1867–1944)

In die Arme schließen kannst du alles, was du liebst. Wonach du dich sehnst, kannst du nur mit dem Flügel streifen.

Wincenty Rzymowski (1883–1950)

Radikalismus: der Konservatismus der kommenden Generation. Julian Tuwim (1894–1953)