Von Michael Naumann

Meinst du vielleicht, dies sei die Stadt, von der ich sprach: "In meinen Händen trage ich dich gezeichnet Baruch 4, 2

Eine Fahrt auf der schwungvollen Autobahn Wuppertal–Bochum: Linker Hand, 2000 Meter hinter der Auffahrt Herbede, werden Schlachtschiffe sichtbar. Festgefroren auf der grünen Woge der Ruhrberge, dräut die Ruhr-Universität Bochum. Postalisch und sprachgebräuchlich: RUB (rrupph) – die ges. gesch. Instruktionsmaschine.

Verankert auf 562 weggeputzten Wiesenhektar steht dreizehnmal das gleiche, Beton an und für sich, die apathische Alma mater: jeweils 112 Meter lang, 45 Meter hoch, 22,50 Meter breit, dreizehn Uni-Gebäude mit Balkons, die niemand betritt, Fenstern, die niemand wäscht, Professoren, die niemand kennt, Assistenten, die niemand sieht, 19 600 Studenten, die niemand tröstet.

Rrupph, das multiplizierte Fertighaus, vom scheinbaren Zauber der Effektivität gebannte Architektur, ist ein Wunder der (Fehl-)Planung. Am 18. Juli 1961 vom Düsseldorfer Landtag beschlossen, viele Jahre lang die größte Baustelle Europas, über zwei Milliarden Mark schwer, statisch berechnete Gefühllosigkeit, steht diese Universität von nun und in alle Ewigkeit als geisteswiderwärtiges Monument von Großmannssucht, bildungspolitischer Protzerei, architektonischem Brutalismus in der Welt, genauer, am Rande Bochums: eine Hohe Schule, deren Wesen Verhinderung heißt.

Aber noch sind wir nicht angekommen. Erst fahren wir durch eine Bodensenke im Ruhrtal. Hier, quer über der Autobahn, hängt der permanente Pestgeruch der Uni-Verdauung, die drastische Entäußerung einer Kläranlage; dann folgt ein Hinweisschild, Ruhr-Universität, rechts ab. Falsch. Nur nicht abfahren! Wer es dennoch wagt, beginnt eine Odyssee. Und schwerlich wird er in den nächsten vier Semestern straffrei die westlichen Teile der "Volluniversität von erheblicher Größe" (Ex-Kultusminister Paul Mikat, CDU) im Auto erreichen; denn hin zum Ziel laufen verkehrte Einbahnstraßen, Sackgassen, lagern Polizisten und Planungsparodien am Wege.

Wir verlassen die Autobahn bei Querenburg (einer Art Ruhr-Torremolinos ohne Meer und Sonne, Getto für Landesbedienstete und Studenten); folgen der Universitäts-Schnellstraße bis zur Abfahrt "Medizin und Geisteswissenschaften".