Die internationale Seereditskonferenz in Caracas hat ihr selbstgestecktes Ziel nicht erreicht. Wenige Tage vor der Schlußsitzung war es den 150 Delegierten nicht gelungen, Einigkeit in den drei Hauptpunkten zu erzielen: Schaffung einer internationalen Behörde für die Ausbeutung des Meeresbodens, Ausdehnung und Jurisdiktion der Hoheitsgewässer und Schutz der Meere vor weiterer Verschmutzung. Damit ist fraglich, ob – wie geplant – nächstes Jahr eine zweite Konferenz in Wien stattfindet, die nach einer generellen Einigung in Caracas Details ausarbeiten sollte.

In allen drei Hauptfragen bezogen die Entwicklungsländer – unterstützt von der Volksrepublik China – Stellung gegen die Industriestaaten. Bei der Ausbeutung der Meeresbodenschätze plädieren die ärmeren Staaten für eine mit umfassenden Rechten ausgestattete Behörde, die verhindern soll, daß die "Multis" große Geschäfte zum Nachteil der Küstenstaaten machen. Sie wünschen, trotz fehlender technischer und finanzieller Voraussetzung, an der Gewinnung und Vermarktung der Meeresschätze gleichberechtigt beteiligt zu werden.

Zwar sind alle Staaten im Prinzip einig, eine 200-Seemeilen-Wirtschaftszone anzuerkennen, streiten aber, welche Rechte der Küstenstaat im einzelnen erhalten soll. Ungeklärt ist auch die Frage, ob die Hoheitsgewässer auf zwölf Seemeilen ausgeweitet werden sollen. Viele Meerengen würden damit der Jurisdiktion einzelner Staaten unterliegen, die sich das Recht vorbehalten wollen, die Passage von fremden Kriegsschiffen zu genehmigen. Für eine ungehinderte Durchfahrt aller Schiffe tritt auch Moskau ein, gemeinsam mit Washington und London.

Die ökonomischen Aspekte des neuen Seerechts wurden auch bei Punkt drei deutlich. Die Entwicklungsländer verlangen unter Hinweis auf ihre beschränkten Mittel, von den strengen Auflagen befreit zu werden, die zur Reinhaltung der Meere nach übereinstimmender Ansicht nötig sind.

Trotz wochenlanger Verhandlungen zeichnen sich keine Kompromisse ab; nur in wenigen Fällen haben die Parteien ihre Ausgangspositionen verlassen. "Die Debatte hat mehr die Unstimmigkeiten als die möglichen Gemeinsamkeiten aufgedeckt" (Times). Konferenzmitglieder sagen voraus, daß wenigstens zwei Vollkonferenzen nötig sein werden, bis eine Schlußkonferenz die Einzelheiten beraten kann.