Von Ulrich Schmidt

Wie bitte? Zum Urlaub ausgerechnet nach Nordirland? Wie kommen Sie denn auf die Idee? Da wird doch immer noch gebombt und geschossen! Na denn man viel Spaß! Aber ohne mich!

So reden die Leute. Kein Wunder nach alldem, was sie jahrelang an Nachrichten von dort vorgesetzt bekommen haben. Mit der Zeit ist ihnen der Nordteil der Grünen Insel zu einem schwarzen Fleck geworden.

Und deshalb fährt niemand zum Spaß nach Nordirland. Nur ein paar britische Urlaubs-Patrioten, heimattreue Iro-Amerikaner, schweizerische und deutsche Naturfeinschmecker. Immerhin: Alles in allem rund 400 000 Touristen pro Jahr.

Normale Menschen reisen, wenn schon, in die Republik Irland. Dutzende von Reiseveranstaltern bieten ein geradezu wuchernd reichhaltiges Programm, vom Pony-Trekking in den Bergen bis zum Surfing an der Atlantikküste. Den britischen Nordteil der Insel bekommen Republik-Urlauber allenfalls auf kurzen Teilstrecken einer Busrundfahrt zu Gesicht.

Um so besser für die Einzelgänger mit Nordirland-Ticket. Wenn sie die Terrorschwelle Belfast, die Trümmerszene und den Brandgeruch hinter sich haben, erleben sie plötzlich, in einem spukhaft anmutenden Wechsel, das genaue Gegenteil: ein friedliches Land, unbeschädigt von Terror, Technik und Touristik.

Und wenn sie mit den trink- und plauderfrohen Einwohnern bekannt werden, erinnern sie sich einer alten Pilgerweisheit: Ist das Land auch noch so schön, zum Erlebnis wird es erst durch die Leute, die dort wohnen. Aus Irland kommt man selten anders als mit einem Freundschafts-Adressenbüchlein heim.