Die elektronische Bespitzelung soll ein Ende haben", versprach der neue amerikanische Präsident seinem Volk. Gleiches hatte sich die Hamburger Kriminalpolizei gesagt, wenn auch nur im stillen Amtskämmerlein. Und weil just in Hamburg, im berühmten Pöseldorf, Deutschlands eifrigster und wohl auch erfolgreichster Hersteller elektronischer Schnüffelapparate, Erwin Reichenberger (Jahresumsatz weit über eine Million), sein Geschäft betreibt, griffen die Beamten dort zu. Sie beschlagnahmten Reichenbergers Kundenkartei mit zweitausend Adressen.

Das ist schon ist paar Jahre her, aber erst in diesen Tagen kam es an die Öffentlichkeit. Die Kriminalen klappern, seitdem sie der entlarvenden Kartei habhaft geworden sind, offenbar recht gemächlich die zweitausend Adressen ab und stellen manchem ehrbaren Bürger peinliche Fragen.

Die wahren Spione aber, die mit den zuckerstückgroßen Radiostationen belauschen, was nicht für ihre Ohren bestimmt, gleichwohl aber von finanziellem oder politischem Nutzen für sie ist, kaufen ihre Horchapparate anonym und lassen sich nicht in einer Kundenkartei verewigen. Darum dürfte der Hamburger Antischnüffler-Aktion nur bescheidener Erfolg beschieden sein.

Natürlich- weiß niemand, wie viele zig- oder hunderttausend Bundesbürger mit den Erfindungen der grauen Elektronikbranche ihre Mitmenschen aushorchen, mit Sendern, die in Telephonhörer, in Aschenbecher, Geschenk-Kalender, in Kugelschreiber, Steckdosen oder Büstenhalter eingebaut sind, hinter Büchern, unter Bürotischen oder unter Betten, in Autos, Hotelzimmern, Amtsstuben oder Lehrerzimmern versteckt wurden.

Das Angebot jedenfalls ist reichhaltig und zeigt in den Preisen eine eher antiinflatorische Tendenz, eine Folge der fortschreitenden Umstellung auf Massenproduktion. Minispione werden nicht nur in Spezialgeschäften wie Reichenbergers Laden feilgeboten. Als "Prüfsender" (Stückpreis zwölf Mark) oder "drahtloses Mikrophon" getarnt oder als "Bausatz für Funkamateure" (womit diese überhaupt nichts anfangen können) deklariert, bietet jede Fachhandlung für Radioteile Minispione an. Und ein zweibändiges Anleitungsbuch gibt Bastlern die Gelegenheit, sich für ein paar Mark raffinierteste Elektroniklauscher zusammenzulöten; es ist nicht einmal besonders schwierig.

Dabei gibt es keine legale Verwendung für diese "Wanzen" (so die volkstümliche Bezeichnung). Und wer sie benutzt, verstößt damit nicht nur gegen alle Gesetze, die unseren persönlichen Freiraum schützen sollen, sondern beschwört auch eine erhebliche Lebensgefahr herauf.

Weil diese Mikro-Radiosender winzig sein sollen, verzichten die Hersteller auf alle "unnötigen" Bauelemente. Deshalb sind die Geräte durchweg "schmutzige" Sender, nämlich solche, die auf vielen Frequenzbändern zugleich strahlen. Einige dieser Bänder aber werden von Funkdiensten benutzt, deren Behinderung lebensgefährlich werden kann. Wer weiß, wie viele ungeklärte Flugzeugabstürze auf das Konto wilder Radiostationen kommen, die den Flugfunk gestört haben?