Ich gehe das Risiko ein, unter Umständen mißverstanden zu werden, und ich glaube, man muß auch dieses Risiko eingehen, das Risiko auch, sich sogar der Lächerlichkeit auszusetzen; denn hielte man sich an die geltenden Spielregeln der öffentlichen Medien, der sogenannten seriösen Berichterstattungen, landete man unweigerlich – ohne daß man selbst es vielleicht merkt – in den Bahnen steriler Gleichgültigkeit und zynischer Ignoranz.

Günter Wallraff, aus Griechenland zurückgekehrt, über seine Protestaktion auf dem Athener Syntagma-Platz

Super-Fernseh-Jesus

Nach einem zehnteiligen "Leben Shakespeares" und einem sechsteiligen "Moses" (mit Burt Lancaster) produzieren das italienische Fernsehen RAI und die kommerzielle britische Firma ITCATV nun unter der Regie von Franco Zeffirelli ("Romeo und Julia") eine Jesus-Serie von sechsmal einer Stunde. Von Anfang 1975 an wird in Israel und Nordafrika gedreht, mit Laien in den Hauptrollen; die Kosten werden mit 32 Millionen Mark angegeben, das potentielle Publikum mit über 200 Millionen. Die Firma General Motors, die das Geld für das Unternehmen gibt, will bei der Ausstrahlung der Filme in Amerika zu Ostern 1976 sogar auf die üblichen Werbespots verzichten. Autor des Fernseh-Jesus ist wie in den zwei vorhergehenden Serien Anthony Burgess ("Clockwork Orange"), der, so heißt es, mit Geistlichen vieler Konfessionen zusammenarbeitet. Die Jesus-Welle hält also an. Auch die Italiener Roberto Rossellini, Valerio Zurlini und Gillo Pontecorvo arbeiten zur Zeit an Jesus-Projekten.

Das sind Juden, das sind Linke

In Erinnerung sind die Ausfälle Nikita Chruschtschows gegen moderne Kunst, damals interpretiert als Zeichen für die dem Sowjetsystem innewohnende Kunstfeindlichkeit. Deftiger hat sich der verflossene amerikanische Präsident Nixon geäußert. Ein weiteres veröffentlichtes Tonbandprotokoll enthält folgende Passage: "Präsident: Zum Beispiel – das Schlimmere (unverständlich) ist, zu irgendwas zu gehen, was mit Kunst zu tun hat. Haldeman: Hm, klar. Es war (unverständlich). Wie (Nixon-Tochter) Julie damals dem Museum in Jacksonville auf den Wecker gefallen ist. Präsident: Kunst, wissen Sie – also das sind Juden, das sind Linke – mit anderen Worten: bloß nichts damit zu tun haben."

Merseburger verläßt Panorama