Erinnern Sie sich noch an Richard Nixon, der – am 9. August 1974 – als erster Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten von seinem Amt zurücktrat und in seiner Casa Pacifica in Kalifornien bereits der Obskurität des haftige Antichrist, das unheilvolle Prinzip." Im Watergate-Skandal hinquälte, so oft sich Nixon in den Triumphen seiner außenpolitischen Erfolge von der Großen Mauer bis zur St. Wladimir-Halle im Kreml sonnte, so unerbittlich sang- und klanglos vollzog sich sein Abgang. Bis gestern war er Beute des Journalismus, von nun an wird er Studienobjekt der Historiker.

Mit der Geschwindigkeit einer Photolinse, die den Moment dieses Sturzes genau dort einfängt, wo er geschieht, ist er schon von Redakteuren in amerikanischen Publikationen festgehalten worden. Genau eine Woche nach dem Rücktritt erschienen bereits zwei Paperbacks auf dem amerikanischen Büchermarkt, verfaßt von Mitarbeitern der New York Times und der großen liberalen Morgenzeitung in der Hauptstadt, der Washington Post.

The New York Times, Bantam Books, Toronto, New York, London: "The End of a Presidency"; 353 S. – The Washington Post, Dell Publishing Co., New York: "The Fall of a President"; 232 S.

Die Redakteure bemühen sich, Geschichte im Urzustand zu schreiben, also ein Geschehen, das noch anhält, wenn die Druckerschwärze trocknet. Das ist ein Unterfangen, bei dem der Geschäftssinn der Verlage den Talenten ihrer Schreiber davoneilt.

So bieten diese beiden Erscheinungen wie eilig aufgebrühter Pulverkaffee kaum einen starken und nachhaltigen Geschmack von der rätselhaften Natur des Politikers Nixon, der sich so talentiert selbst zugrunde richtete. Der weise James Reston verweist allerdings im Band der New York Times eindringlich auf die Inkongruenzen in der Laufbahn des zurückgetretenen Präsidenten. In beiden Büchern wird versucht, das Phänomen dieses Denkmalsturzes ausschließlich von der Person Nixons her zu ergründen: seine entschuldbare Verstrickung in die vielen Widersprüche und Erschütterungen des Amerikas der Gegenwart kommen dabei zu kurz, werden kaum angerissen.

Jedoch sind die beiden Paperbacks auch keine Scherbengerichte von Autoren, die sich genußvoll in ihren Prophezeiungen und Warnungen bestätigt sehen. Richard Nixon wird sachlich eine letzte objektive Kritik des Journalismus zuteil; seine weltpolitischen Leistungen würdigt in dem Band der Washington Post deren diplomatischer Korrespondent Murray Marder, eine wohltuende Ergänzung zu den Schrecken des Weißen Hauses, welche die meisten anderen Kapitel füllen.

Beide Bücher, enthalten die Rücktrittsrede und andere Ansprachen Nixons, Auszüge aus den verhängnisvollen Tonbändern und mit Chronologien des Watergate-Skandals; das der New York Times ist dazu noch mit 63 Seiten Illustrationen ausgestattet. Darunter ist ein Photo, das in Europa völlig unbekannt sein dürfte: das des farbigen Wachmannes Frank Wills, der die Watergate-Einbrecher in den Morgenstunden des 17. Juni 1972 stellte und dadurch einen Steinschlag ins Rollen brachte, der den 37. amerikanischen Präsidenten aus dem Weißen Haus fegte.

Joachim Schwelien