Das rumänische Protokoll hatte den sowjetischen Ministerpräsidenten Kossygin und den stellvertretenden chinesischen Regierungschef Li Hsien-nien auf der Ehrentribüne dicht nebeneinandergestellt. In dieser erzwungenen Eintracht sahen beide die Parade zum 30. Jahrestag der Befreiung Rumäniens vom faschistischen Regime Antonescu.

An Beobachtern und Zuschauern fehlte es nicht. Da in Bukarest die Weltbevölkerungskonferenz der Vereinten Nationen tagt, hatte der Vorbeimarsch eine internationale Kulisse von seltenem Ausmaß. Aus der DDR war der Staatsratsvorsitzende Stoph gekommen. Bundesratspräsident Kohl – in Vertretung des Bundespräsidenten Scheel – hatte Glückwünsche geschickt. Parteichefs der Ostblockstaaten fehlten.

Die rumänischen Truppen zeigten sich erstmals nicht mit Helmen sowjetischer Art, sondern in einem Stil, der an die nach dem Ersten Weltkrieg eingeführten Helme erinnerte. Nach den regulären Streitkräften mit Panzern, Artillerie und Raketen folgten bewaffnete Einheiten der sogenannten Patriotischen Arbeitergarde. Darunter waren auch Abteilungen von Frauen und Mädchen mit Maschinenpistolen.

Ceausescu hatte am Vortag in einer Rede zu Beginn der Feiern die Verdienste der Sowjetunion um die Befreiung seines Landes gewürdigt, zugleich aber die besondere Rolle Rumäniens im osteuropäischen Bündnissystem verteidigt.