Auf meine Kritik in der ZEIT, daß Reiseführer zwar ausführlich auf Kirchen und Klöster, Burgen und Schlösser verweisen, aber über Sehenswürdigkeiten, die atemberaubende Einblicke in die Geschichte unserer Erde vermitteln können, achtlos hinweggehen, meldete sich aus Stuttgart der Verlag Gebrüder Borntraeger, der sich "sehr erfreut über den Tenor Ihres Aufsatzes" zeigte. Denn: "In unserem Hause erscheinen solche Führer, die Sie vermissen."

Borntraeger gibt neben einer "Sammlung Geographischer Führer" (6 Bände lieferbar) auch eine "Sammlung Geologischer Führer" (23 Bände lieferbar) heraus. Jeder Band ist verschiedenen Gebieten in der Bundesrepublik, Österreich oder Italien gewidmet – dem Harz oder Aachen und Umgebung, dem ostfriesischen Küstengebiet oder dem "Steirischen Tertiär-Becken". Zu Preisen zwischen 14 und 40 Mark (pro Band) erwirbt der Käufer solides Wissen. Einer eingehenden Schilderung der geologischen Verhältnisse folgen jeweils detaillierte Hinweise auf wichtige Aufschlüsse und Fundstellen von Mineralien und Fossilien. In den Text eingestreute Karten erleichtern es, die Zusammenhänge zu verstehen und die Sehenswürdigkeiten zu finden.

Die Bände sind jedoch von Fachleuten für Fachleute oder zumindest für Leser mit geologischen Vorkenntnissen geschrieben. Mit unterschiedlichem Talent bemühen sich die Autoren um Wissensvermittlung; aber auch in den stilistisch am besten gelungenen Bänden hält das Konzept der Sammlung Normaltouristen von vornherein fern.

"Wir brauchen", so hatte ich gemeint, "neue Reiseführer, die nicht nur einseitig auf kulturgeschichtliche Informationen spezialisiert sind." Die naturgemäß in die andere Richtung einseitig ausgerichtete "Sammlung Geologischer Führer" erfüllt diese Forderung nicht. Aber speziell interessierten Lesern kann sie gute Dienste leisten, nicht zuletzt Reiseführer-Herausgebern, die ihre Werke um Hinweise auf erdgeschichtliche Attraktionen ergänzen wollen. E. L.