Autos aus zweiter Hand finden wieder mehr Käufer

Halb im Scherz stöhnte Fiat-Sprecher Werner Jänicke: "Die härteste Konkurrenz für unsere Neuwagen sind gegenwärtig die Fiat-Gebrauchtwagen." Kaum weniger dramatisch befand der deutsche "Gebrauchtwagen-Papst" Schwacke, dessen Preislisten Grundlage für alle Geschäfte mit Wagen aus zweiter Hand sind: "Beim Handel ist der absolute Tiefststand der Bestände erreicht."

Wenn auch beide Äußerungen, so allgemein formuliert beim Handel auf Widerspruch stoßen: Immer deutlicher wird, daß der Markt für gebrauchte Personenwagen, zum vergangenen Jahr reswechsel ebenso stark angeschlagen wie der für Neufahrzeuge, sich seit Wochen belebt.

Nur, diese Entwicklung in konkrete Zahlen zu fassen, ist augenblicklich noch nicht möglich. Aktenkundig ist allein, daß im ersten Halbjahr 1974, in dem die Neuwagenverkäufer 25 Prozent weniger Autos an den Mann brachten als im Vorjahr, die "Besitzumschreibungen" mit rund 1,8 Millionen Fahrzeugen nur um reichlich zehn Prozent niedriger ausfielen als vor Jahresfrist. Die Hälfte dieser Gebrauchtverkäufe geht seit Jahren regelmäßig auf Geschäfte unter Privatpersonen zurück; in 15 Prozent der Fälle treten Autohändler als Vermittler auf; nur jedes dritte Fahrzeug übernimmt ein, Händler, um es auf eigene Rechnung zu verkaufen.

Trendmeldungen kommen naturgemäß nur aus dem gewerblichen Bereich. Und da wird einmütig festgestellt, ordentliche Kleinwagen der Marken Fiat, Volkswagen, Opel und Renault sind gebraucht, kaum noch am Markt. Hier registriert der Handel – bei ebenfalls lebhafter-Nachfrage nach dieser Neuwagenklasse "absolute Engpässe".

Anders ist die Situation in der Mittelklasse und bei den großen Wagen. Hier reichen die Urteile vom "sehr, sehr gut" eines Stuttgarter Daimler-Benz-Angestellten über ein "ganz gut" Helmut Beckers, des Juniorchefs von Auto Becker in Düsseldorf bis zu Notizen wie "unverändert" oder "mäßig". Bei Daimler-Benz, mit seinen Werksniederlassungen Deutschlands größter Gebrauchtwagenhändler, "dürfen gut gepflegte Stücke auch ruhig wieder ein bißchen teurer sein". Der bundesweite Gebrauchtwagenbestand des Hauses ist nur mehr halb so groß, "wie wir ihn gern haben sollten".

Becker erkennt dagegen große Unterschiede. Auch er wird gebrauchte Mercedes-Fahrzeuge bis hinauf, zum handgeschalteten Typ 280 S spielend los, denn: "Araber und Afrikaner kaufen (in diesen Klassen) alles auf, was auf dem Markt ist." Dafür fehlen ihm in anderen Bereichen die vielen offenbar doch nachhaltig verunsicherten "Mittelstandskunden". Cadillacs und Ferrari wiederum laufen gut. Insgesamt kann aber auch Becker eine grundsätzliche Belebung nicht verkennen.