• Herr Apel, was haben Sie den Italienern anläßlich des Besuches von Schatzminister Emilio Colombo in Bonn wirklich versprochen? Die wilden Gerüchte über einen deutschen Milliarden-Kredit für Rom hat der Minister jetzt zwar seiher etwas gedämpft, aber auch nicht völlig dementiert.

Apel: Minister Colombo hat mit mir anläßlich seines Besuchs in Bonn in allem Freimut die Probleme der italienischen Wirtschaftslage erörtert. Weder hat die italienische Seite darauf gedrängt, von uns ein Kreditangebot zu erhalten, nochhabe ich ein solches in Aussicht gestellt. Allerdings waren wir uns darüber einig, die im Rahmen der Europäischen Gemeinschaft bestehenden Finanzierungsinstrumente im Hinblick auf den italienischen Fall prüfen zu wollen. Darüber hinaus habe ich zugesagt, die von der EG-Kommission schon vor längerer Zeit beantragte Prüfung des Projekts einer Gemeinschaftsanleihe zu beschleunigen. Schließlich war Minister Colombo mit mir der Auffassung, daß es sehr nützlich sei, wenn die Notenbanken unserer beiden Länder in einen verstärkten Meinungsaustausch über die technischen Probleme der Abwicklung ihres gegenseitigen Verrechnungsverkehrs treten. Dies alles hat aber mit irgendeiner Form der bilateralen Kredithilfe der Bundesrepublik an Italien nichts zu tun.

  • Colombo hat erklärt: "Die Solidarität, die uns die Bundesrepublik bekunden wird, setzt voraus, daß Italien wieder Glaubwürdigkeit erlangt." Das hört sich so an als ob Bonn Vorbedingungen gestellt hatte, also ein Mindestmaß an Stabilität verlangt, ehe es dem italienischen Partner unter die Arme greift.

Apel: Wir haben stets erklärt, daß Fortschritte der europäischen Gemeinschaft nur bei gemeinschaftlichen Stabilisierungsbemühungen aller Partnerländer möglich sind. Inzwischen sind eine ganze Reihe unserer Partner dem Beispiel gefolgt, das die deutsche Stabilisierungspolitik gesetzt hat. Auch Italien hat trotz erheblicher innerpolitischer Schwierigkeiten ein Programm verabschiedet, das dem gemeinschaftlichen europäischen Stabilisierungsziel Rechnung trägt. Ich habe Minister Colombo gegenüber meine Anerkennung zu diesem Programm zum Ausdruck gebracht. Denn jedes europäische oder internationale Vorgehen kann stets nur Hilfe zur Selbsthilfe sein.

  • Wenn die Bundesrepublik Italien helfen wollte, aus seinen Zahlungsbilanznöten herauszukommen, wäre dann der direkte Weg oder der Umweg über Brüssel bei einer Kreditgewährung vorzuziehen – und müßten nicht in beiden Fällen Bedingungen gestellt werden, damit wir unser Geld nicht in ein Faß ohne Boden schütten?

Apel Wir sind weder europäischer Bankier noch Lehrmeister unserer Freunde. Aber wir sind ihnen in einer Solidargemeinschaft und unser wirtschaftliches Eigeninteresse kann uns ebenfalls nicht unbeteiligt lassen, wenn sie in Schwierigkeiten kommen. Das gilt aber nicht nur für uns. Die internationale Arbeitsteilung nutzt allen, insbesondere den EG-Ländern. Deshalb müssen auch die Lasten gemeinsam getragen werden. Gemeinsam ist dann auch über die Bedingungen der Hilfe zu entscheiden.

  • Ist Hilfe für Italien nicht auch eine Art Versicherungsprämie für uns? Der wirtschaftliche Zusammenbruch eines großen EG-Landes würde auch für die Bundesrepublik ernste Folgen haben und muß deshalb mit allen Mitteln verhindert werden, die uns dafür zur Verfügung stehen.