Die Regierung Zyperns will nicht unter der Drohung eines türkischen Ultimatums in innerstaatliche Verhandlungen über eine Beilegung des Konflikts eintreten. Das versicherte Präsident Klerides am Dienstag vor der Presse in Nikosia nach einem Besuch in Athen. Er bezog sich damit auf die Ankündigung des türkischen Volksgruppenführers und Vizepräsidenten Denktasch, er werde einen unabhängigen türkisch-zyprischen Staat ausrufen, falls Nikosia und Athen die Zypern-Frage – entsprechend einem sowjetischen Vorschlag – vor die Vollversammlung der Vereinten Nationen bringen.

Klerides versicherte weiter, er sei nach einem "Abzug der türkischen Invasionstruppen" zu Gesprächen über jede mögliche Lösung und damit auch über die Frage zweier autonomer Regionen auf der Insel bereit. Dies käme solange nicht in Betracht, wie Denktasch "mit der türkischen Armee hinter sich die Kanonenboot-Diplomatie der Vergangenheit" betreibe.

Der sowjetische Vorschlag, gegen den die türkischen Zyprer wie die Türkei opponieren, sieht eine internationale Zypernkonferenz in großem Rahmen vor. Teilnehmer könnten nach Moskaus Vorstellungen neben den direkt betroffenen Ländern die 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrates und "andere interessierte Staaten" sein.

Während Griechenland und die griechischen Zyprer diesem Vorschlag positiv gegenüberstehen, wollen die Türken die Genfer Konferenz wiederbeleben – was wiederum Athen ablehnt, nachdem der letzten ergebnislosen Zusammenkunft am 14. August unmittelbar die Besetzung des ganzen Nordteils der Insel von Famagusta bis Lefka gefolgt war.

Der entmachtete Staatspräsident Makarios unterbreitete inzwischen einen Kompromißvorschlag, wonach die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats – also die Großmächte – zusammen mit Griechenland, der Türkei und den Volksgruppenvertretern über die Zukunft der Inselrepublik verhandeln sollten.

Schließlich sind auch noch von UN-Generalsekretär Waldheim eigene Vorschläge zu erwarten. Waldheim beendete am Dienstag Besuche in den drei Hauptstädten, wobei er die "beträchtliche Kluft zwischen den Ansichten beider Seiten" bestätigte.

Waldheim äußerte die Hoffnung, daß ein Guerillakrieg vermieden werden kann. Alle beteiligten Regierungen wünschten eine Verhandlungslösung. Am Samstag hatte der griechische Außenminister Mavros erklärt, ein Guerillakrieg sei eine Notwendigkeit. Ihm hatte Klerides beigestimmt mit der Äußerung, solche Aktionen würden "den Türken bald zeigen, daß sie in ihiem Besatzungsgebiet durchaus nicht unangreifbar sind".