Neu In Museen und Galerien:

Darmstadt Bis zum 29. September, Neue Darmstädter Sezession: "Plastiken auf der Ziegelhütte"

Ein temporäres Freilicht-Museum hat die Neue Darmstädter Sezession eingerichtet, in einer ganz ungewöhnlichen und witzigen Umgebung, die nach landläufigen Vorstellungen dafür denkbar ungeeignet ist. Normalerweise werden Plastiken entweder in Parks oder auf Straßen und Plätzen aufgestellt, wo sie entweder in die Landschaft oder die Stadtarchitektur passen oder nicht. Das Gelände in Darmstadt ist weder das eine noch das andere, ist eine ländlich-dörfliche Oase, die vom modernen Verkehr gerade noch berührt wird, ein Stück idyllischer Vergangenheit, ein Komplex von leerstehenden Ziegelbauten – die falsche Kulisse für eine Inszenierung zeitgenössischer Plastik, was der Aufführung im ganzen vorzüglich bekommt: Beckett im Bühnenbild der Meistersinger oder von Altheidelberg. Keine der 90 ausgestellten Arbeiten ist für die Ziegelhütte konzipiert, und das total unangemessene Milieu verhilft selbst mittelmäßigen Plastiken zu Ironie und tieferer Bedeutung. Zufall oder geschickte Regie: Die 40 beteiligten Bildhauer vermitteln, auf unterschiedlichem, keineswegs nur provinziellem Niveau, ein ziemlich genaues Bild der heutigen Tendenzen, von der realistischen Figuration (Hans Wimmer, Jürgen Weber) bis zum abstrakten Monument (Hans Steinbrenner, Leo Kornbrust, Hans Pierre Schumann, Helmut Lander), dazwischen eine starke Gruppe von Surrealisten, die sich vor der und gegen die Ziegelhütte sehr nachhaltig zur Geltung bringen (Michael Schwarze mit "Ikarus", Eberhard Zinke mit surrealen Schachfiguren).

Köln Bis zum 30. September, Galerie Onnasch: "William Copley"

Es darf gelacht werden, vielmehr: es soll gelacht werden. Copley ist resolut entschlossen, komisch zu sein, und es gelingt ihm auch. Es gelingt ihm, den Betrachter von seinen komischen Talenten zu überzeugen, ohne daß Mühe, Fleiß und Schweiß wahrgenommen werden, die so viel unentwegte Komik dem Maler abverlangen. Copley hat sich frühzeitig, nach surrealistischen Anläufen, auf Humor spezialisiert, keinen schwarzen, sondern einen knallbunten, einen vordergründigen Humor; er hat den Humor gepachtet, der in der amerikanischen zeitgenössischen Malerei nicht stattfindet, weil Malerei ein ernstes Anliegen und Humor nur in der Karikatur erlaubt ist. Copley hat damit eine glanzvolle Karriere gemacht und seine humoristischen Bilder in die wichtigsten modernen Museen nach New York, Paris, Stockholm, Amsterdam, London katapultiert. Die Galerie Onnasch zeigt eine bereits historische Werkgruppe, die ""Western Songs", die Copley 1966 und 1967 gemalt hat, Bilder zu "My husband put some poison in my beer" und ähnlich geistreichen Refrains. Eine scheinbar naive, kindliche Malerei: Copley malt, wie Erwachsene glauben, daß Kinder malten, wenn sie wie Erwachsene malen könnten. Er persifliert nicht die Story, die Western Folklore – der Witz liegt in der naiven Rezeption und einer ihr angemessenen Darstellungsmethode, in den Linien, die sich verhäkeln und verstricken, in absurden Mustern, in Kurven, die sich in die Quere kommen. Man soll, man kann über seine Bilder lachen, ohne sie inhaltlich zu verstehen. Copley setzt das Komische frei, das die Formen enthalten, bevor sie etwas Gegenständliches, Melone oder Gangster, Laterne, Tapete, Wolke bedeuten. Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen:

Baden-Baden Bis zum 29. September, Kunsthalle: "Juan Gris"