Die große amerikanische Luftfahrtgesellschaft ist nur noch mit öffentlichen Subventionen vor der Pleite zu retten.

In einem dringenden Notruf an die amerikanische zivile Luftfahrtbehörde (CAB Civil Aeronautics Board) sieht William T. Seawell, Generaldirektor der Part American World Airways (Pan Am), die letzte Chance, sein Unternehmen vor dem Konkurs zu retten: Wenn Pan Am nicht umgehend mit monatlich zehn Millionen Dollar Betriebssubventionen gestützt würde, so heißt es in einem elf Seiten langen Brief, könnten schon bald nicht mehr alle Verpflichtungen erfüllt werden. Von den zehn Millionen Dollar soll mit 6,4 Millionen das Defizit zwischen Einnahmen und laufenden Kosten ausgeglichen und mit dem Rest fällige Kreditzinsen bezahlt werden.

Der Hilferuf kommt nicht überraschend. Bereits im April hatte Pan Am von der Regierung einen Ausgleich für zu niedrige Luftposttarife gefordert. Damals ging es um 194 Millionen Dollar. Doch die Kongreßabgeordneten konnten sich nicht zur Zahlung entscheiden, weil sie fürchteten, daß anschließend auch andere Fluggesellschaften Geld aus der Staatskasse fordern würden. Tatsächlich hatte Trans World Airlines (TWA), die in Konkurrenz zu Pan Am einen internationalen Linienverkehr fliegt, ebenfalls eine Dollarspritze beantragt,

Pan Am begründete seine Forderungen mit den immens gestiegenen Kosten für den Jet-Treibstoff Kerosin. Die Kostensteigerung traf alle Fluggesellschaften, Pan Am aber machte sie besonders zu schaffen. Seit 1969, als Pan Am die ersten Jumbo-Jets im Linienverkehr eingesetzt hat, arbeitet das Unternehmen nur noch mit Verlust.

Seither versuchen die Pan Am-Manager mit allen möglichen Mitteln den Kurs zu ändern. Mit TWA verhandelten sie über Verkehrsabsprachen – so sollten die europäischen Hauptstädte nicht mehr von beiden Gesellschaften angeflogen werden. Gerüchten zufolge war auch eine Fusion im Gespräch, wie schon einmal 1962, als es TWA schlecht ging. Doch die Gespräche führten zu keinem Ergebnis und sind zur Zeit unterbrochen.

Die Zeit drängt für Pan Am. Ein Konsortium von 36 Banken hat der Fluggesellschaft eine Kreditlinie von 270 Millionen Dollar genehmigt. Allerdings drohen sie mit Rückruf der Kredite, falls das Pan Am-Vermögen unter 300 Millionen Dollar bewertet wird. Spätestens im Winter würden die Banken bei den derzeitigen Verlusten kein Geld mehr geben. kde