In Charles Lindbergh, der am Montag im Alter von 72 Jahren gestorben ist, hat Amerika einmal viel mehr als nur den wagemutigen und glückhaften Piloten gesehen, der 1927 als erster den Atlantik in west-östlicher Richtung überquerte. Er war das Idol einer ganzen Generation: tapfer, erfolgreich und charakterstark im Schmerz über die Ermordung seines entführten Sohnes – der lebende Beweis dafür, daß "Gottes eigenes Land" jedem Tüchtigen eine Chance gab. Lindbergh wäre der strahlende Held geblieben, wenn er nicht Reden gegen den Kriegseintritt der Vereinigten Staaten gehalten hätte. Roosevelts Wort vom "Mangel an Patriotismus" stieß ihn ins Dunkel.

Von Anfang an war Lindberghs Leben eng mit der stürmischen Entwicklung des. Flugverkehrs verknüpft: von der Epoche der tollkühnen Pioniere über die Zeit des technischen Durchbruchs im Zweiten Weltkrieg bis hin zum großen Geschäft der Fluglinien in den fünfziger Jahren, die nicht mehr den Einzelgänger, sondern das Team brauchten. Lindbergh beklagte noch vor kurzem die Krise der amerikanischen Flugzeugindustrie. Er starb wenige Stunden nach dem Hilferuf der Pan American, einer weltweit operierenden Fluggesellschaft, die ohne staatliche Subventionen nicht überleben kann: der letzte Held aus den glanzvollen Zeiten der Fliegerei.

H. B.