In einer ersten Stellungnahme der SPD zu den neuen Vorwürfen gegen ihren Fraktionsgeschäftsführer im Bundestag, Karl Wienand, hat sich der Fraktionsvorsitzende Herbert Wehner am Montagabend im Deutschen Fernsehen für eine einwandfreie gerichtliche Prüfung und Klärung der Beschuldigungen ausgesprochen. Er wolle nicht zulassen, daß Wienand zum Opfer eines systematischen Kesseltreibens werde, ohne daß ihm Gelegenheit gegeben werde, die strittigen Fragen bis ins letzte zu klären, sagte Wehner in der Sendung Monitor.

Der SPD-Fraktionschef zeigte sich überzeugt, "daß sich Karl Wienand keiner Unehrenhaftigkeit schuldig gemacht hat"; er beantwortete aber die Frage, ob sein Schicksal mit dem Wienands verknüpft sei, mit einem klaren "Nein".

Diese Frage hatte sich auf eine vom Spiegel zitierte angebliche Äußerung Wehners im Protokoll einer Parteivorstandssitzung vom vorigen Jahr bezogen. Wehner jetzt im Fernsehen: "Das Protokoll möchte ich selbst gern sehen."

Die neueste Wienand-Debatte war in der vergangenen Woche durch Vorausmeldungen aus der Spiegel-Titelgeschichte vom Montag entbrannt. Das Nachrichtenmagazin hält Wienand für "nun überführt, vor einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuß des Bundestages gelogen zu haben".

Dieser Ausschuß hatte 1971/72 nach dem Absturz einer Maschine der Münchner Charterfluggesellschaft "Paninternational" am 6. September 1971 bei Hamburg (22 Tote) zu untersuchen, ob die Bundesaufsicht über das Unternehmen versagt habe. In diesem Zusammenhang kam auch Wienands Tätigkeit für "Paninter" zur Sprache. Doch Wienand bestritt, für die Münchner als Berater tätig gewesen zu sein und dafür insgesamt 162 500 Mark Honorar erhalten zu haben. Vielmehr sei diese Summe ein vom damaligen Paninter-Geschäftsführer Trommer zurückgezahltes Darlehen gewesen.

Nach Angaben des Spiegel hat Trommer inzwischen vor der Staatsanwaltschaft zugegeben, daß die genannte Summe doch ein Beraterhonorar gewesen sei. Für den größten Teil dieses Betrages, so soll die Staatsanwaltschaft überdies ermittelt haben, sei Wienand die Steuern schuldig geblieben.