Randspalten-Lyrik – Seite 1

Von Joachim Schwedhelm

Ein ekelnswerter Mann

Wenn Alfred Tetzlaff auftritt mit Familie,

dann sitzt vorm Fernsehschirm auch

Hermann Binder

mit seiner fetten Frau Ottilie,

und zusdiaun dürfen ausnahmsweise auch

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die Kinder,

die sonst nur sehen dürfen, das ist klar,

am Abend "Aktenzeichen" oder

"Kommissar"

und ähnliche der Jugend zuträgliche Sachen.

Bei Tetzlaffs ist, sagt Binder, das

Familienleben

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der kleinen Leute zu studieren, das zum

Lachen,

vor allem, wenn das Ekel Alfred sich

benimmt daneben.

Wenn Alfred Tetzlaff dann beim Mittags-

mahl

zur Schere greift, am Fuß die Nägel stutzt,

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lacht Binder schon mal sich den Kopf fast

kahl,

weil er sich nämlich viel dezenter putzt;

er geht sogar gelegentlich zum Pediküren

und läßt sich auch zu anderem verführen.

Frau Binder grunzt, wenn Alfred

"Arschloch!" schreit,

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den kleinen Binders, denen solcher Ton

verboten,

wird so schon für die Schlafenszeit

ein Betthupferl gereicht mit Zoten.

Wenn Alfred Tetzlaff auf die Sozis schimpft,

ist Binder richtig erst in seinem Element,

weil ja, als Nazi-Pimpf einst vorgeimpft,

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er diese Art zu kritisieren bestens kennt.

Doch während Alfred nur ein Mecker-Ekel

bleibt,

kleinbürgerlich und lächerlich, betreibt

Herr Binder als ein Ekel von Format,

das man so gar nicht komisch finden kann,

Rechtsaußenpolitik in diesem Staat.

Er ist ein ekelnswerter Mann!