Zwanzig Jahre lang galt sein Name als Geheimtip unter der Film- und Fernsehprominenz der USA. Heute wären Broadway-Star Liza Minnelli, TV-Showmaster Andy Williams, Barbra Streisand, Pepsi-Cola-Chef Kendali sowie zahlreiche Persönlichkeiten der Wall-Street-Society froh, wenn sie den Namen "Home Stake Productions" nie gehört hätten. Mit dem Versprechen, Vermögen aus Steuergeldern bilden zu können, hatte die Gesellschaft jahrelang Millionensummen von Geldanlegern kassiert und vorgegeben, sie für die riskante Ölsuche zu verwenden.

Das Geld der Prominenten ist verschwunden. Dividenden – so stellte sich jetzt heraus – hatten die Ölmagnaten der Home Stake jahrelang aus neuen Anlagegeldern gezahlt. Pipelines entpuppten sich als rot angestrichene Rohre eines Bewässerungssystems kalifornischer Farmer. Der Bohrwagen, der aus optischen Gründen hin und wieder in die Wüste bei Santa Maria gesandt wurde, explorierte meist kurz unter der Oberfläche, stieß – zum nachträglichen Erstaunen – hin und wieder aber trotzdem auf Öl.

Da der USA-Fiskus die Erschließung nationaler Energiequellen mit erheblichen Steuervergünstigungen versüßt, können Anleger ihren Kapitaleinsatz üblicherweise über ersparte Steuergelder vom Finanzamt zurückerhalten, vorausgesetzt sie gehen keiner Schwindelfirma wie Home Stake auf den Leim. Bohrkosten können voll vom steuerpflichtigen Einkommen abgesetzt werden. Sprudelt Öl, darf nach amerikanischem Recht obendrein fast ein Viertel des Erlöses steuerfrei aufs Konto fließen;

Ölgeschäfte in den USA locken seit geraumer Zeit auch Abschreibungsunternehmen der Bundesrepublik. Gestützt auf heimisches Recht konstruierten sie ein Steuermodell der Superlative. Dem Anleger werden die höchstmöglichen Gewinnchancen eingeräumt, während das Risiko – selbst bei Totalverlust der Kapitaleinlage – der deutsche Fiskus tragen soll. Das "Roulett ohne Risiko" basiert auf den sogenannten Hannoverschen Grundsätzen. Nach einer Entscheidung der Oberfinanzdirektion Hannover können Kosten für geophysikalische Untersuchungen sowie die teuren Bohrungen voll vom steuerpflichtigen Einkommen der beteiligten Anleger abgesetzt werden.

Sollte tatsächlich Öl fließen, schmilzt der Steuervorteil geringfügig, da die Kosten für fündige Bohrungen nur verteilt auf acht Jahre abgeschrieben werden können. Dieses System – so eine Entscheidung des Bundesfinanzministers aus dem Jahre 1965 – gilt bis Ende dieses Jahres auch für die Schatzsuche jenseits deutscher Grenzen, wenn die inländische Gesellschaft zu diesem Zweck eine ausländische Betriebsstätte gründet. Ab 1975 müssen mögliche Gewinne nach dem Auslandsinvestitionsgesetz bis zur Höhe der vorab geltend gemachten Verluste versteuert werden.

Um Anleger mit attraktiven Steuerersparnissen locken zu können, müssen die deutschen Ölbohrer ihre Verlustzuweisungen jedoch mit der Aufnahme von Fremdmitteln auf Hochform trimmen. Hier liegt der Pferdefuß. Ist das Kapital erfolglos in den Sand gebohrt, müssen die Anleger die zusätzlichen Mittel aus eigener Tasche zahlen. Um dieses zu verhindern, konstruierten die Gesellschaften eine Quasi-Fremdfinanzierung über den amerikanischen Bohrpartner. Statt Kredite aufzunehmen, bringt dieser seine Bohrrechte zu einem hohen Preis in die ausländische Betriebsgesellschaft ein. Mit der Anhebung dieser Verbindlichkeit lassen sich Steuerverluste auf beliebige Höhen schrauben. Getilgt zu werden braucht der "gestundete Kaufpreis" jedoch nicht oder nur dann, wenn tatsächlich Öl zu fließen beginnt.

Neben dieser "Verlustschraube" entdeckten die Steuerbeamten noch zahlreiche andere Varianten der Fremdmittelzuführung, die mit deutschem Steuerrecht häufig nur schwerlich in Einklang zu bringen sind. Prompt folgte vor einigen Tagen der erste Schuß vor den Bug der ölflotte. Das Finanzamt Dortmund nahm einem der Ölbohrer das bereits ausgestellte vorläufige Anerkennungsschreiben über die Höhe der Verluste wieder ab. Nordrhein-Westfalens Finanzminister wähnte gar einen Mißbrauch mit Finanzamtsbescheinigungen und forderte die Beamten auf, Verluste künftig nicht mehr im vorhinein zu bescheinigen.