Im parlamentarischen Untersuchungsausschuß zum Fall des DDR-Spions Günter Guillaume sagten am Dienstag die ersten Zeugen aus, wobei der "positive Eindruck" Guillaumes bei der Einstellung ins Kanzleramt hervorgehoben wurde. Doch noch vor Beginn der Beweiserhebung hatte es in der öffentlichen Sitzung eine Kontroverse um den Ausschußvorsitzenden Wallmann (CDU) gegeben.

Der stellvertretende Vorsitzende Claus Arndt (SPD) warf Wallmann vor, durch Aussagen in Interviews schon das Ergebnis der Arbeit des Gremiums vorweggenommen und damit mangelnde Objektivität und Neutralität gezeigt zu haben;

Wallmann hatte am Wochenende gesagt – und wiederholte es in der Sitzung –, daß gegen Guillaume entgegen der Darstellung der Regierung schon im Mai 1973 begründeter Verdacht bestanden habe, er sei DDR-Spion. Das gehe aus den Akten klar hervor. Daher, so betonten die CDU/CSU-Mitglieder des Ausschusses, seien Wallmanns Äußerungen eine Antwort auf "objektiv unrichtige" Darstellungen der Regierung. Die Bundesregierung habe wider besseres Wissen nur von einem vagen Verdacht gesprochen; deshalb müßten alle Akten auf den Tisch.

Die SPD war nach den Worten Arndts zu Beginn der Arbeit des Ausschusses von der Neutralität und Obektivität Wallmanns beeindruckt. Aber er habe sich inzwischen zunehmend als Parteipolitiker hervorgetan. Wenn Mitgliedern des Ausschusses weiterhin jedes Mittel bis zur Indiskretion recht sei, meinte Arndt, dann werde Parlament und Demokratie Schaden zugefügt "und das Werk Guillaumes fortgesetzt".

Als erster Zeuge schilderte der jetzige Leiter der Abteilung Recht und Verwaltung im Bundeskanzleramt, Ernst Kern, die Einstellung Guillaumes im Kanzleramt. Er begann dort am 28. Januar 1970 mit seiner Arbeit. Nach Kerns Worten spielten bei der Einstellung weniger seine fachlichen Fähigkeiten als vielmehr die beruflichen Erfahrungen eine Rolle. Er habe sich in jahrelanger Arbeit für die SPD in Frankfurt bewahrt. Guillaume sei nicht von sich aus, sondern auf Empfehlung an das Kanzleramt herangetreten. Guillaume habe im Gespräch Intelligenz und Bescheidenheit gezeigt und die positiven Eindrücke in der Folgezeit bestätigt. Bundeskanzler Willy Brandt habe ihm einmal schriftlich für seine gute Arbeit gedankt.