Von Kolja Kater

Marihuana ist ungefährlich". Diese beruhigende Versicherung konnte vor wenigen Jahren noch jedermann hören, wann immer er die zaghaften Warnungen der wenigen Wissenschaftler entkräftet wissen wollte, die gesundheitsschädliche Auswirkungen von Cannabis (als Sammelname für Marihuana und Haschisch) für möglich hielten. Einziges Manko der Warner war seinerzeit, daß sie keine stichhaltigen Beweist vorweisen konnten. Das war zu einer Zeit, in der es "schick" war, auf Partys den Joint kreisen zu lassen und der süßschwere Haschduft Schulen und Kasernen, Universitäten und Beatschuppen durchwaberte.

Still wurde es um die Cannabis-Rauschmittel, als neue Drogen auftauchten und sich, ihrer meßbaren Folgewirkungen wegen, vor allem in den USA in den wissenschaftlichen Vordergrund schoben: Heroin und dessen Gegenpart Methadon, das lange als geeignetes Entwöhnungsmittel für die Heroinsüchtigen angesehen wurde. (Die neuesten Statistiken weisen mittlerweile mehr Opfer aus, die durch Methadon zu Tode kamen als durch Heroin). Cannabis ist – verglichen mit den "In"-Drogen Heroin, Methadon und Alkohol – längst kein Reizwort für Schlagzeilen mehr.

Dennoch sind in den vergangenen fünf Jahren in Dutzenden von Labors und Kliniken die Auswirkungen von Hasch und Marihuana intensiv erforscht worden. In größerem Umfang wurden vor allem Laboruntersuchungen in Amerika erst möglich, als die US-Regierung den Anbau von indischen Hanfpflanzen in regierungseigenen Plantagen freigab und die Forschungsprogramme finanziell unterstützte. Der Etat für die Haschforschung beträgt für das kommende US-Haushaltsjahr immerhin vier Millionen Dollar.

In den beiden jüngsten Ausgaben des amerikanischen Wissenschaftsmagazins Science (23. und 30. August) sind jetzt erstmals die verschiedenen Untersuchungsergebnisse der letzten Jahre zusammenfassend veröffentlicht worden. Fazit des Science-Reports: Marihuana ist sehr viel gefährlicher als es ehedem auch nur vermutet wurde. Das gilt freilich für Gewohnheitskonsumenten, die ihrem Organismus über Jahre hinweg das Rauschmittel ständig zuführen und nicht für gelegentliche Probierer.

– Sechs verschiedene Gefahren für Psyche und Physis des Cannabis-Verbrauchers zeichnen sich ab. Die Droge kann:

  • Chromosomen schädigen;
  • in den zellulären Stoffwechselprozeß eingreifen, etwa die DNS-Synthese beeinträchtigen und sich negativ auf das Immunsystem des Organismus auswirken;
  • die hormonalen Abläufe durcheinanderbringen und dabei verschiedene Wirkungen entfalten, beispielsweise Impotenz, vorübergehende Sterilität oder bei’Männern die Entwicklung von weiblichen Brüsten auslösen;
  • bei starkem Konsum Lungen und Atmungswege schädigen (der Teer-Gehalt ist bei den Joints 50 Prozent höher als bei Zigaretten);
  • die Persönlichkeitsstruktur des Konsumenten ändern, bis hin zum geistigen Verfall vordem geistig normaler Menschen, und
  • möglicherweise zu dauernden Schädigungen im Gehirn führen.