Parapsychologen haben es schwer. Nicht genug damit, daß viele Leute Spuk und Spökenkiekerei für Unsinn und darum nicht für einen seriösen Forschungsgegenstand halten; nicht genug damit, daß sie immer wieder erfahren müssen, von Menschen, die vorgegeben hatten, übernatürliche Begabungen zu besitzen, arglistig oder fahrlässig getäuscht worden zu sein. Jetzt ist auch noch ans Tageslicht gekommen, was monatelang sorgsam verheimlicht wurde, daß einer aus ihrer Zunft, ein prominenter Parapsychologe, seine Kollegen an der Nase herumgeführt hat. Und das auch noch mit einem angeblichen Forschungsergebnis, das von den Parapsychologen freudig begrüßt worden war, weil es die Existenz paranormaler Phänomene besonders überzeugend zu beweisen schien.

In der Tat konnte selbst einen hartgesottenen Skeptiker schwankend machen, was seit über einem Jahr aus dem weltberühmten Institute for Parapsychology in Durham (US-Staat North Carolina) berichtet wurde. Der seit fünf Jahren an dieser vom Psi-Papst J. B. Rhine gegründeten Forschungsstätte tätige Dr. Jay Levy, designierter Nachfolger Rhines als Institutsdirektor, hatte übernatürlich Erscheinendes an Tieren demonstriert – angeblich.

Der Forscher hatte Ratten Elektroden ins Gehirn implantiert und diese feinen Sonden mit einem elektronischen Apparat verbunden, der sie hin und wieder mit Stromstößen beschickte. Diese Impulse lösten bei den Ratten ein wohltuendes Gefühl aus. Wann aber diese angenehmen elektrischenHirnreize ausgeteilt wurden, das bestimmte der Zufall. Denn ähnlich einem elektronischen Spielwürfel war der Apparat, der die beliebten Stromstöße produzierte, ein Zufallsgenerator.

Diese elektronische Apparatur aber konnten, so behaupteten Dr. Levy und seine parapsychologischen Mitarbeiter an Rhines Institut, die Nager allein mit ihrem Wunsch nach mehr Lusterlebnis beeinflussen, so daß sie dies häufiger erhielten, als es ihnen der Zufall gewährt hätte.

Das Levysche Experiment war deshalb bei den Vertretern des umstrittenen Forschungsgebiets so beliebt, weil Tiere außerstande sind, mit listigen Zaubertricks psychokinetische Phänomene vorzuspiegeln. Ergo galt der "wissenschaftlich kontrollierte" Tierversuch als willkommener Beweis dafür, daß an der Bewegung oder Veränderung materieller Gegenstände durch geistige Beeinflussung, an der Psychokinese, doch etwas Wahres sei.

Aber als unlängst die Versuche wiederholt werden sollten, schien die Beherrschung des Zufalls durch den Rattengeist einigen: Institutskollegen von Dr. Levy nicht geheuer. Sie hatten bemerkt, daß sich Levy während der Experimente auffallend häufig an der Versuchsapparatur zu schaffen machte. Also beschlossen sie, den Experimentator von einem Versteck aus heimlich zu beobachten und entdeckten, daß Levy das corriger la für tune selbst manipulierte. In flagranti ertappt gab denn auch der Wissenschaftler seine Mogelei zu. Er wurde inzwischen vom Institut entlassen.

Das alles war schon am 21. Juni geschehen. Aber vom Altparapsychologen Rhine vergattert hielten die Institutsangehörigen den peinlichen Vorfall geheim. Allerdings teilte Rhine die Angelegenheit seinen Fachkollegen in aller Welt brieflich mit. Doch auch sie, besorgt um den guten Ruf ihrer Wissenschaft, ließen nichts davon an die Öffentlichkeit dringen, bis jetzt – freilich ohne den Schuldigen beim Namen zu nennen – das Institut die Presse informierte.

Schwindelei beim Experimentieren, das gibt es auch in anderen Wissenschaften. Den um Anerkennung ringenden Parapsychologen aber, denen sie zu einem schlagenden Argument verhelfen sollte, dürfte diese Fälschung besonders arg schaden. Thomas v. Randow