Die Schließung des Hamburger Bankhauses Wolff KG, das jetzt einem Vergleichsverfahren entgegensieht, hat die Kunden privater Banken erneut in Unruhe versetzt. Wir wollen hier nicht untersuchen, meine verehrten Leser, ob in diesem Falle von allen Beteiligten mit der gerade jetzt notwendigen Weitsicht auf mögliche Konsequenzen gehandelt worden ist. Wir müssen hier feststellen, daß wieder einmal Bankkunden Unbilden ausgesetzt werden, die nun einmal mit der Schließung "ihres" Hauses verbunden sind. Der Bundesverband Deutscher Banken hat zwar zugesagt, daß bei Wolff kein privater Kunde Geld verlieren wird; aber erfahrungsgemäß dauert es eine geraume Zeit, bis die Kundschaft wieder über Guthaben verfügen kann.

Doch dies ist nicht das eigentliche Thema unseres heutigen Gesprächs. Vielmehr wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, was mit den Kundeneffektendepots geschieht, wenn eine Bank ihre Zahlungen einstellen muß. Seitdem ein deutsches Gericht beim zusammengebrochenen Bankhaus Herstatt diese Depots vorübergehend der Verfügungsgewalt ihrer Inhaber entzog, ist Unsicherheit darüber aufgekommen, inwieweit Kundendepots "zur Abwicklungsmasse" gehören.

Dabei ist die Rechtslage eindeutig. Wertpapiere, die einem Kreditinstitut zur Verwahrung übergeben werden, bleiben in jeder Situation Eigentum des Kunden. Natürlich treten bei einer Bankinsolvenz Behinderungen in der Verfügungsgewalt ein, weil die Bank eben nicht mehr normal arbeitet. Es kann auch Härtefälle geben, wenn die Gutschrift veräußerter Wertpapiere gerade noch "in die Vergleichsmasse gerät. Aber wenn private Konten global geschützt werden wie jetzt bei Wolff, so ist das in der Regel nur ein temporäres Unglück.

Immerhin sind die jüngsten Vorfälle Anlaß genug, daß sich viele Wertpapiersparer – wie ich aus Ihren Zuschriften, meine verehrten Leser, sehe – fragen, ob bei einem privaten Kreditinstitut die Effektendepots überhaupt sicher liegen. Hier kann man wohl mit einem uneingeschränkten Ja antworten. Das Depotgeschäft der Banken unterliegt einer strengen und eingehenden Kontrolle durch die sogenannte Depotprüfung, für die das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen ausführliche Richtlinien erlassen hat. Natürlich schützen auch solche Prüfungen nicht vor Betrug und Veruntreuung. Bisher ist mir jedoch kein Fall bekannt geworden, wo so etwas im Bereich der Depotverwaltung passiert ist. In den Jahren unmittelbar nach dem Kriege gab es einige "Unebenheiten", die aber glattgebügelt worden sind, ohne daß nennenswerter Schaden entstand.

Wer Wertpapiere besitzt, hat im wesentlichen drei Möglichkeiten, sie zu verwahren. Man kann sie ohne Mithilfe eines Kreditinstituts verwalten (in der Praxis in einem Bankschließfach aufbewahren); daneben gibt es die Möglichkeiten der sogenannten Sammelverwahrung und der Sonderverwahrung. Wilhelm Vallenthin, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, hat sich in seinem jetzt erschienenen Buch "Rechtsgrundlagen des Bankgeschäftes" (Fritz Knapp Verlag) mit allen Varianten der bankmäßigen Effektenverwahrung ausführlich auseinandergesetzt.

Es gibt zahlreiche Leute, die aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Effektendepots selbst verwalten. Sie lassen sich beim Effektenkauf die Originalurkunden (mit Dividenden- und Zinsscheinbogen) aushändigen. Wer nach dem Kriege über solche Originalurkunden verfügte, sie nicht durch Flucht oder Bombenschäden verloren hatte, war gegenüber dem "Depotbesitzer" im Vorteil, weil er seine Papiere sofort wieder verwerten (also auch beleihen) konnte. Zunächst waren an der Börse nur Originalstücke handelbar. Die girosammelverwahrten Stücke lagen sämtlich in Berlin und waren den Sowjets in die Hände gefallen. In Einzelfällen haben diese versucht, die Stücke unrechtmäßig zu verwerten.

Die Besitzer von Girosammeidepots mußten einen manchmal recht schwierig zu führenden Nachweis über ihre bei Kriegsende vorhandenen Effektendepots erbringen. Dieses Kapitel ist inzwischen abgeschlossen. Es hat aber gezeigt, wann es zweckmäßig ist, seine Aktien und Renten "bei sich zu haben", aber auch welche Risiken solche persönliche Verwahrung birgt.