Die Expansionspläne eines französischen Supermarktbesitzers stoßen auf den erbitterten Widerstand von kleinen Einzelhändlern.

Im französischen Städtchen Rochefort wurde Wildwest gespielt: Aufgebrachte Massen, gestörte Gerichtsverhandlung, in Ohnmacht fallende Damen, Sturm aufs Rathaus, bewaffnete Patrouillen, nächtliche Schlägerei, eine Handvoll krankenhausreif geschlagener Helden. Dabei ging es nur um Krämerprestige und Verbraucherpreise.

Der Held von Rochefort heißt Edouard Leclerc, einst Priesterkandidat, dann Gründer von Supermärkten mit Preisangeboten und wortgewaltiger Preisbrecher der Nation. Seit 1949 zieht der Bretone gegen Tante-Emma-Läden und ihre hohen Handelsspannen zu Felde.

Seinen ersten bescheidenen Discount-Laden eröffnete Leclerc mit 23 Jahren. Heute, mit 48, tragen über 160 Supermärkte im ganzen Land seinen Namen.

Der selbsternannte Sheriff von Rochefort: Gérard Nicoud, ein 28jähriger Barbesitzer, wenig zimperlicher Beschützer von unzufriedenen Einzelhändlern, Handwerkern und Bistrowirten. Er weist einige Erfahrung im Umgang mit Plastikbomben, im Erobern von Finanzämtern und im Bau von Straßensperren auf.

Auch Gefängnisse kennt Nicoud seit 1970 von innen. Jede neue Haftstrafe brachte dem Rebellen neue Anhänger, deren Zahl bald auf über eine Million anschwoll. Nicouds Freunde 1970 auf einem Flugblatt: "Wir kämpfen für den radikalen Wandel, um die Großen zu liquidieren."

Auslöser für das Spektakel in Rochefort war ein erfolgreicher Leclerc-Supermarkt. Sein Verwalter hatte ihn ohne Genehmigung der Behörden um 100 Quadratmeter Ladenfläche erweitert. Der Gesetzesvertreter verlangte Respekt, der Zugang zum Neubau, wurde amtlich versiegelt. Als der zornige Supermarkt-Chef die Siegel aufbrach, wurde er vor den Kadi zitiert. Der Spruch der hohen Richter: Zehn Tage Gefängnis,