Der Hamburger Zigarettenkonzern BAT unterscheidet nicht mehr zwischen Arbeitern und Angestellten

Die Beteiligten feierten den Abschluß als "Durchbruch" und lobten ihre Arbeit mit Superlativen. Man habe "fair, aber hart in der Sache" verhandelt. Dennoch gab es nicht einmal ein Glas Sekt, als dann eines Tages frühmorgens gegen ein Uhr alles unter Dach und Fach war.

Es hat langer und zäher Verhandlungen bedurft, bis am 2. Juli der neuartige Tarifvertrag für die Hamburger BAT-Cigaretten-Fabriken, zweitgrößtes Unternehmen der Branche (HB, Krone, Benson & Hedges), unterschriftsreif war. Die Unterhändler schlossen ein Abkommen, mit dem herkömmliche Tarif gebrauche aufgegeben werden:

  • Es gibt nur noch einen gemeinsamen Gehaltstarif für Arbeiter und Angestellte;
  • alle BAT-Beschäftigten werden nach einheitlichen Kriterien in das Gehaltsgefüge eingestuft.

Die überkommene Unterscheidung in Kaufleute, Techniker oder Meister beziehungsweise ungelernte, angelernte und gelernte Arbeiter fällt weg. Ob Arbeiter oder Angestellter – alle sind gleichermaßen einem peniblen Punktesystem unterworfen, das jeden einzelnen Arbeitsplatz bewertet. Wer zum Beispiel lediglich Tabaksteuerbanderolen in ein Kästchen füllt, erhält dafür 18 Punkte und kommt auf ein Grundgehalt von 1188 Mark im Monat (hinzu kömmt ein individueller Erfahrungs- und Leistungszuschlag). An der Spitze der Punktepyramide steht der Verkaufstrainer, der bereits für eine einzige der insgesamt sieben Anforderungsarten (nämlich "Kenntnisse") 66 Punkte kassiert und insgesamt auf stattliche 160 Punkte kommt – das entsprechende Grundgehalt: 2857 Mark (siehe Beispiel).

Ob freilich das komplizierte Kauderwelsch von "Richtrangplätzen", "Arbeitswertzuschlägen", "Gehaltsgruppen" und "Funktionsbeschreibungen" den BAT-Mitarbeitern noch verständlich ist, wird selbst von der BAT-Hauszeitschrift bezweifelt. Die 4700köpfige BAT-Belegschaft kann eher etwas mit dem anfangen, was unterm Strich als Monatslohn herauskommt. Personalchef Peter Wörmer schätzt die Mehrbelastung seines Etats auf drei Prozent. Günter Döding von der Gewerkschaft Nahrung, Genuß, Gaststätten (NGG) dagegen frohlockt: "Wir konnten bei der diesjährigen Tarif runde mit 16 Prozent mehr als andere rausholen, davon knapp vier Prozent auf Grund des neuen Punktsystems."

Alle Wünsche der Gewerkschaft gingen allerdings nicht in Erfüllung. Aus dem Geltungsbereich des neuen Abkommens wurden auf Drängen der Gegenseite "zunächst" die außertariflich bezahlten Angestellten herausgenommen. Dafür befinden die Arbeitnehmervertreter in einer paritätisch besetzten Kommission über die Bewertung aller Arbeitsplätze.