Von Helmut Mader

Als der Dichter, Maler und Schauspieler Otto Nebel am 12. September 1973, kurz vor seinem 81. Geburtstag, in Bern gestorben ist, nahm die Öffentlichkeit nur in ein paar kurzen Pressemeldungen von seinem Tod Notiz. Kaum ein Lexikon, kaum eine Literaturgeschichte verzeichnen seinen Namen. Er ist so gut wie vergessen.

Lediglich der Kunstmarkt erinnert sich hin und wieder an ihn. Nebels malerisches Werk entstand in der Auseinandersetzung mit den Freunden Kandinsky und Klee. Als Dichter gehörte er zum „Sturm“-Kreis um Herwarth Walden. Im „Sturm“ erschien in den Jahren 1919 und 1920, in Fortsetzungen, seine erste große Dichtung „Zuginsfeld“. Dieses Phamphlet gegen Krieg, Militarismus und die imperialistische wilhelminische Klassengesellschaft ist als Dokument in zweierlei Hinsicht bedeutsam: als Beispiel eines radikalen und kompromißlosen poetischen Engagements und als einer der frühesten Versuche, Inhalte aus dem Medium der Literatur selbst, aus der Sprache, zu gewinnen. Der „Zunginsfeld“ ist ein direkter Vorläufer der „konkreten“ oder, wie der Linguist Harald Weinrich sagt, der linguistischen Poesie.

Es hat mehr als ein halbes Jahrhundert gedauert, bis er wieder gedruckt wurde, ja bis er überhaupt zum erstenmal als Buch erscheint –

Otto Nebel: „Zuginsfeld“, herausgegeben und mit einem Nachwort von Angela Köhler; Luchterhand Typoskript, Luchterhand Verlag, Darmstadt/Neuwied, 1974; 180 S., 12,50 DM.

Vorausgegangen war eine Tonband-Edition –

Otto Nebel spricht Otto Nebel: „Zuginsfeld“, Gesamtaufnahme; 2 Compactcassetten, 87 und 83 mm; Edition S Press? Hattingen, 1973; je 40,– DM.