Auch wenn es sich nicht um "eine Hoppla-Hopp-Studie" (Bösenberg) handelt, kann man damit rechnen, daß das Votum der Länderrepräsentanten nicht lange auf sich warten läßt. Dabei ist denkbar, daß die Teilung nicht gleichzeitig bei allen europäischen IBM-Töchtern herbeigeführt wird. Möglicherweise begnügt man sich sogar vorerst mit "Divisions", so wie auch die Muttergesellschaft in zwölf Unternehmensbereiche aufgegliedert ist.

Wenn sich die Strukturtüftler für den gesellschaftsrechtlichen Split entscheiden, so wird sich dies auch auf die europäische Konzernspitze auswirken. IBM hat in den letzten Jahren bereits eine Neuorganisation der Aktivitäten außerhalb der USA verfügt. Die für die Koordinierung des gesamten Auslandsgeschäfts zuständige IBM World Trade Corp. wurde in zwei operative Holdings aufgeteilt: Die IBM World Trade Europe/Middle East/Africa Corp. und die IBM World Trade America/Far East Corp. (für Asien, Australien, Lateinamerika und Kanada).

An der "IBM Europe" mit der Hauptverwaltung in Paris hängen sieben Bereiche: die Ländergesellschaften in der Bundesrepublik (mit 23 000 Mitarbeitern die größte), Frankreich, Großbritannien und Italien sowie Nord-West-Europa (Skandinavien, Benelux, Irland), Süd-Ost-Europa (Spanien, Portugal, Schweiz, Österreich und die osteuropäischen Länder) und Afrika/Mittelost.

Vom Gesamtumsatz der IBM, der 1973 um 15 Prozent auf 11 Milliarden Dollar geklettert ist, entfallen bereits 32 Prozent auf die Gruppe Europa/Mittelost/Afrika, wobei natürlich Europa selbst den Löwenanteil hält. Horn IBM-Umsatz außerhalb der USA – rund 47 Prozent der Konzernerlöse – treffen somit auf Europa mehr als zwei Drittel. Die Zuwachsraten auf dem europäischen Markt sind nach wie vor merklich größer als in den USA.

Wenn man grünes Licht für die Trennung gibt, werden voraussichtlich in absehbarer Zeit auch in Paris zwei Kopfgesellschaften gebildet: eine für die dominierende "große" Datenverarbeitung und eine für die Textverarbeitung einschließlich der kleineren EDV-Anlagen. Der Geschäftsbericht der IBM-Corporation gibt den Umsatzanteil der Datenverarbeitung – Verkäufe, Mieten und Dienstleistungen – weltweit mit 79 Prozent an. Auf "andere reguläre Produkte und Dienstleistungen" entfallen 18 Prozent. Dabei handelt es sich im wesentlichen um Bürotechnik.

Für Europa und die Bundesrepublik teilt IBM keine exakten Prozentanteile für die wichtigsten Geschäftssparten mit, aber Schätzungen fallen nicht allzu schwer. Vom Umsatz der IBM Deutschland, der 1973 einschließlich der 1,4 Milliarden Mark Lieferungen an ausländische IBM-Gesellschaften nur um knapp zwei Prozent auf 4,4 Milliarden Mark zugenommen hatte, dürften annähernd 15 Prozent der Textverarbeitung zuzurechnen sein.

Die sogenannte "Basisdatenverarbeitung", die aus den vier Modellen des (in Vimercate/Italien produzierten) "System/3" besteht, kommt vermutlich auf eine Quote von gut zehn Prozent des deutschen IBM-Umsatzes. Die neue "IBM Deutschland Text- und Datensysteme GmbH" bekäme also, wenn sie in Aktion treten sollte, einen Umsatz von 1,1 bis 1,3 Milliarden Mark mit auf den Weg. Dabei wird dieser Bereich künftig rascher wachsen als derjenige der mittleren und großen Computer. Die Motive für die geplante Strukturbereinigung liefern bereits die Service-Gesichtspunkte. Eine schlagkräftige, gut gegliederte Außenorganisation für Text- und Basisdatenverarbeitung könnte ebenso wie eine stärker aufeinander abgestimmte Entwicklung dazu beitragen, die Kosten zu senken. Sicherlich gibt auch der stürmische Boom bei Taschenrechnern den Zukunftsplanern der IBM zu denken. Sie müssen zumindest auf längere Sicht mit einer gewissen Konkurrenz durch diese Produkte rechnen.