Mit seinem nördlichen Stadtteil (Städtchenteil) Sandwig liegt Glücksburg am Wasser. Vom Ufer, von den Bootsstegen, von Hotelfenstern aus: ein zauberhaftes Panorama. Dampfer in schimmerndem Weiß, Yachten, die wie mit spielerischer Hand über die See gestreut scheinen, sogar Polizeiboote in fröhlichem Blau. Und das gegenüberliegende Ufer, ein bißchen dunstig-verschleiert, ein Zwischenbezirk zwischen träumerischer Ungewißheit und Wirklichkeit, mit bloßem Auge Einzelheiten kaum zu identifizieren: Dänemark. Von Glücksburg fährt man mit dem Dampfer zum Beispiel nach Gråsten (deutsch Gravenstein) in vierzig Minuten, Rückfahrkarte zwei Mark.

Eine Gegend, geeignet für jeden, der gern „läuft“. Da bieten sich die reizvollen, gemächlichen Spaziergänge im Buchenwald an. Da lohnt es sich, eine Wanderung nach Nordosten zu machen, zur weit vorgeschobenen Halbinsel Holnis, zwei Kilometer Luftlinie von Dänemark entfernt, dort liegt die Grenze zwischen Innen- und Außenförde. Hoher Himmel, weiter Horizont, bewegte frische Luft: Atmen als Vergnügen.

Und die Buchten, diese Pausenzeichen in der Weitläufigkeit großer Wasser, diese landschaftlichen Rückzüge in die Geborgenheit. Zuweilen geht es auch da lebhaft und fleißig zu: In der Bucht westlich von Sandwigs Strand ist der Yachthafen, ist die Yachtschule des Deutschen Hochseesportverbandes Hansa, die größte Europas (26 Ausbilder, jeweils ungefähr 230 Kursteilnehmer). Im Ostseeheilbad Glücksburg gibt es jetzt auch ein Wellenbad. Und der Strand von Sandwig ist dank der Initiative des vorzüglichen, im Mai dieses Jahres eröffneten Hotels „Intermar“ mit etlichem Aufwand neu mit feinem Sand bedeckt worden ... Das „Intermar“ hat auch eine eigentümliche Neugründung vorgenommen, eine Art Synthese von Hotel und Altersheim, genannt „Senioren-Residenz“. Nicht ganz billig. Miet- und Pensionspreis zirka 1600 Mark monatlich, allgemeine ärztliche Betreuung inklusive.

Wer die neun oder zehn Kilometer vom Flensburger Hafen nach Glücksburg wandert und ein bißchen „neugierig“ auf das Alte, auf die Vergangenheit ist, wird mit mehr als nur der Lokalgeschichte der Bäder, Dörfer und Flecken Bekanntschaft machen können. Schon der Flensburger Vorort Mürwik erregt Aufmerksamkeit. Nicht etwa nur deshalb, weil Mürwik seit 1959 Sitz des Befehlshabers der Seestreitkräfte Ostsee und Standort der Marineschule ist. In Mürwik hat Großadmiral Karl Dönitz, Hitlers Nachfolger als Staatsoberhaupt, vom 2. bis 5. Mai 1945 die letzte „Geschäftsführende Reichsregierung“ gebildet (am 23. Mai wurde die Regierung Dönitz von den Briten verhaftet). Mürwik – ein Ort europäischer Geschichte.

Aber den Frieden und die Heiterkeit des Urlaubers an der Förde tangiert die Geschichte heute nicht mehr.

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Informationen: Verkehrsverein Flensburg im ZOB (Zentral-Omnibus-Bahnhof), 239 Flensburg, Postfach 475, Telephon (04 61) 2 30 90; Städtische Kurverwaltung, 2392 Glücksburg, Telephon (0 46 31) 22 01; Fremdenverkehrsverband Schleswig-Holstein, 23 Kiel, Adelheidstraße 10, Telephon (04 31) 6 40 11.