Von Rainer Frenkel

Ein Jahr liegt das Ereignis nun zurück: die Ölkrise. Keiner weiß so richtig, ob sie tatsächlich stattgefunden hat. Dennoch, die das Auto betreffenden Folgen des Schocks, und der ist gewiß nicht wegzuleugnen, halten an.

Über immer neue Märkte breitet sich die Autobaisse aus. Die jüngste Meldung: Die amerikanische General Motors, der weltgrößte Autoproduzent, entläßt fürs erste gleich 6000 Mitarbeiter, die Konkurrenten Ford 950 und Chrysler 620. Fraglos ist dies erst der Beginn einer Entlassungswelle.

In Europa behilft man sich noch mit Kurzarbeit, Nichtersetzen der Fluktuation und Prämien für den freiwilligen Abschied von Mitarbeitern. Ob die europäischen, speziell die deutschen Autohersteller ohne Massenentlassungen über den Berg kommen, weiß heute niemand. Denn nicht nur Prognosen zu stellen, ist augenblicklich unmöglich. Auch die Gegenwart zu beschreiben, fällt schwer. Zu unterschiedlich sind auf den einzelnen Märkten Ursachen und Formen der Malaise.

In der Bundesrepublik etwa hatte die Autokonjunktur längst Bremsspuren hinterlassen, als von Ölkrise noch keine Rede war. Das arabische Spektakel hat die Talfahrt dann allerdings beschleunigt: Unter dem Eindruck der Ölknappheit brach gegen Ende vergangenen Jahres die deutsche Autonachfrage vorübergehend Zusammen. Der übliche Autofrühling blieb aus. Und daß im vergangenen September das Minus wieder erträglich schien, ist vor allem darauf zurückzuführen, daß im Vergleichsmonat die Käufer auch schon müde waren. Im ganzen Jahr 1974 werden Deutsche ein Fünftel bis ein Viertel weniger Fahrzeuge kaufen als 1973.

Verschärfend für die Industrie wirkt, daß nun auch die Exportmöglichkeiten rapide schwinden. Die Läger im Ausland sind voll. Und viele Märkte werden erst jetzt richtig eng.

Das gilt vor allem für Frankreich und Italien. Die Franzosen hätten im Gefühl der Freundschaft mit den Arabern auch noch in diesem Jahr lange Monate so viele Autos gekauft wie zuvor. Doch nun, da Giscard d’Estaing es mit der Austerity-Politik offenbar ernst meint, reagiert die Autonachfrage mit Rückschlägen um 20 Prozent plötzlich verschreckt.